29/09/2024
Mit Verstand Pilze sammeln gehen…
Als Pilzführer braucht man eine Menge Geduld und muss zuweilen krude Fragen aushalten. Geduld brauchen aber auch all die Anfänger und Pilz-Laien, die jetzt zu Tausenden ausströmen, um alles zu sammeln, was ihnen vor die Füsse kommt. Sich zuvor die Basics des Pilzsammelns anzueignen, das ist nicht in fünf Minuten erledigt. Und doch kommt es mir manchmal so vor, als fehlte zuweilen die Geduld, erst mal alles Wichtige über Pilz zu lernen, damit sicher zu stellen, dass genug Verständnis dafür da ist, dass nicht jeder Pilz essbar ist, eine Pilzvergiftung heftig sein kann.
Viele Pilze landen derzeit in den Körben der Pilzsammler, die man gescheiter im Wald gelassen hätte, nicht schlimm, wenn sie explizit dafür gesammelt wurden, um sie daheim mit Hilfe der Fachlitertur zu bestimmen. Leider, und ich sage bewusst leider, werden auch viele Pilze gesammelt, um sie im Anschluss an die Suche kulinarisch zu verwerten. Und nicht selten, werden dann auch noch Freunde und Verwandte beschenkt, in der Hoffnung denen damit eine Freude zu machen. Das ist lieb gemeint, keine Frage….aber was nützt das, wenn deren Sachkenntnisse genauso mangelhaft sind und man denen sagen muss, dass die überreichten Pilze giftig oder ungeniessbar sind?
Woher kommt die Idee, Pilze ohne ausreichende Artenkenntnisse zu sammeln? Sind wir Pilzgruppen vielleicht mitschuld daran, weil wir den Hype beflügeln und Menschen dazu motivieren, selber Pilze sammeln zu gehen? Vielleicht ist es aber auch die logische Konsequenz dessen, dass hier Menschen für schöne Pilzfotos bewundert werden und noch mehr, wenn sich wer mit vollen Pilzkörben ins Rampenlicht stellt. Ist völlig in Ordnung und letztlich dem Zweck sozialer Medien entsprechend. Nur sollte man hier vielleicht etwas mehr darauf hinweisen, dass das Sammeln ohne ausreichende Kenntnisse fahrlässig ist….und man sollte auch jenen keine Ovationen erteilen, die mehr sammeln, als das, was die Regeln erlauben. Man muss fehlbare Sammler nicht auslachen und auch gar nicht unfreundlich runterputzen, aber erklären, warum es wichtig ist, auf den Expertenrat zu hören, erst mal ein Buch zu lesen, indem alle wichtigen Pilze vorgestellt werden, einschliesslich der giftigen Verwechslungspartner. Man sollte sich auch damit befassen, wo und wann das Pilzen erlaubt ist, wie viel Pilze man aus dem Wald tragen darf und welche aufgrund eines Sammelverbotes oder einer Empfehlung gar nicht gesammelt werden dürfen oder um deren Schonung gebeten wird. Man soll sich ökologischen Bedenken nicht verschliessen. Wir leben in Zeiten, in denen dem Klimaschutz mehr Beachtung geschenkt wird, als noch vor 20 oder 30 Jahren. Unsere Wälder sind bedroht und brauchen Zeiten, in denen sie sich von der Belastung durch uns Menschen erholen können. Wer jeden Tag 4 h durch den Wald tappt, tut ihm nichts gutes. Wer das ins Lächerliche zieht, der weiss nicht Bescheid.
Man muss also viel wissen, wenn man Pilze sammeln will. Klar darf man sich dabei in verschiedene Richtung entfalten, sollte das Hobby aber in Einklang mit der Natur betreiben, weil das der beste Weg ist sicher zu stellen, dass auch morgen noch genug davon da ist. Pilze sind nicht für uns Menschen gemacht. Jeder Pilz hat eine Aufgabe in der Natur. Es liegt darum ganz viel Segen auf der Idee, ressourcenschonend mit Pilzen umzugehen. Sammeln ja, weil das ein sehr schönes Hobby ist, aber bitte mit Verstand. Was das genau heisst, vermag jeder zu beantworten. Uns ist die Intelligenz gegeben zu wissen, was wir uns zumuten dürfen, damit wir selber und alle anderen „heil“ bleiben, die Tiere im Wald etwas zu fressen haben und wir uns nicht den Vorwurf gefallen lassen müssen, „masslos“ zu sein.
Einen schönen Sonntag, allen Pilzfreunden wünsche…
eure Bea