Als ich nach oben blickte, sah ich nur noch Füße und Fäuste die auf mich einhämmerten. Das Blut lief mir über´s ganze Gesicht, meine Klamotten zum großen Teil zerissen. Auch meine mir heilige Replay 901 von meiner verstorbenen Oma.
Meine Gefühle in dem Moment? - kann ich nicht mehr beschreiben - ich weiß nur noch, dass ich zeitweise nicht mehr sein wollte.
Mit der Zeit verstand ich jedoch, dass ich “stärker” werden musste, wenn ich weiterhin so leben will, wie ich es tue. Ob sich dies nun auf meine Art mich zu kleiden, ich verabscheute Mainstream und Klonoutfits schon immer, oder auf meine sehr emphatische, soziale (weiche) Art im Umgang mit anderem Leben bezog, dass war nie relevant.
Die Kombi macht´s. Damals wurde sensibel und kein Bock auf Fußball, Mofa und Co. noch als “weich” deklariert. Hinzu gesellten sich dann noch meine körperlichen Einschränkungen wie ein massive Skoliose, Probleme in der Hüfte, lumbale Schmerzen etc. welche mich immer sehr gebrechlich und “geknickt” erschienen ließen. Zu meinen besten Zeiten wog ich auf 1,75m ca. 55 kg! Kurzum für die “Starken” war ich der perfekte Frustablasser.
Erst vor ca. zehn Jahren, mit Anfang 30 kam so langsam die Erlösung in Form von mehr Wissen und Training und noch mehr Training. Und in der Akzeptanz und Nutzung meiner extrem Hyperaktivität (ADHS) als Energiequelle. Und natürlich auch Dank meines ersten eigenen Gym, welches aus einer alten Ledercouch als Hantelablage, und einem noch viel älteren Holzschlitten als dazugehörige Hantelbank bestand. Dazu gesellten sich selbstgebaute Gewichte aus diversen Materialien und einer alten gerollten Matratze als Sandsack. Noch nicht eine Minute habe ich bis heute in einem “echten” Studio trainiert. Obwohl mir es aufgrund meines tollen, extrem liebevollen Elternhauses nicht im geringsten an Geld gemangelt hatte, war es zu der Zeit noch echt schwer an diverse Trainingsgeräte zu kommen.
Mittlerweile verstehe ich, was da früher so los war, und welche massiven (Ego)- Probleme die Anderen hatten, und nicht ich. Eben genau diese langen Jahre voller Angst, der Unsicherheit, der physichen und psychischen Schmerzen, sowie der extremen Selbstzweifel waren es, die mich heute so stark machen. Ich traute mich damals nicht alleine in eine MC Donalds Filiale, aus Angst aufgrund meiner Optik wieder dumm angemacht zu werden.
“Leider wahr, aber wahrscheinlich mussten diese 10 Jahre sein, damit ich heute mit dem was ich mache so erfolgreich sein kann”.
Heute gehören durchschnittlich 6 Traingseinheiten pro Woche, zuzüglich mehrerer Trainingseinheiten im Bereich Selbstschutz, sowie zig verschiedene Sneakers (zero Nike, zero ADIDAS, zero Jordan´s;), bunte Socken und Hochwasserhosen, sowie diverse Klamotten, die viele “stylish” finden, aber selbst niemals tragen würden, zum “normalem” Leben mit dazu.
Und es fühlt sich toll an! Endlich so sein zu “dürfen”, wie man wirklich ist. Mal wieder blöd angemacht worden in letzter Zeit?
Nein zu meinem persönlichem Erfreuen seit sehr, sehr langer Zeit nicht mehr. Und wenn doch? Dann weiß ich sehr genau was zu tun ist...
Denn das habe ich mir an einem ganz bestimmten Tag geschworen “Nie wieder, werde ich mich von irgendjemanden auch nur ansatzweise, für meine grundsätzlich friedliche Art zu leben, leiden lassen!”
Lieber weiche ich aus, oder stürme mitten hindurch.
“Selfdefense should never be Egodefense!” oder “Atack the Atacker!”
Sei so wie du bist, aber werde auch du zu einem harten Ziel!