01/06/2026
Melanie Dörpmund erinnert heute Morgen auf radio aktiv noch einmal an den besonderen Gottesdienst für alle Menschen, ob q***r oder nicht, der Mitte Mai im Münster gefeiert wurde:
Mitte des Monats haben wir im Münster St. Bonifatius einen Gottesdienst anlässlich des IDAHOBIT gefeiert. IDAHOBIT erinnert an den 17. Mai 1990 – den Tag, an dem die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel gestrichen hat. Ein wichtiges Zeichen, denn: Liebe und Identität sind keine Krankheit.
In diesem Gottesdienst haben wir zwei berührende Geschichten gehört.
Ein junger Mann erzählte, wie schwer es war, mit fünfzehn klar zu erkennen: Ich bin homosexuell. Und wie entscheidend es war, dass seine Mutter ihn liebevoll aufgefangen und ihm Mut gemacht hat.
Eine andere Person berichtete davon, fast ein halbes Jahrhundert lang gegen das eigene Innere gelebt zu haben. Nach außen ein Mann – und doch schon als Kind wissend: Ich bin eigentlich eine Frau. Der Weg dahin war voller Angst, voller Einsamkeit, sogar voller Gedanken ans Aufgeben. Erst durch die Liebe und den Rückhalt ihrer Familie konnte sie die Kraft und den Mut entwickeln, zu beginnen, wirklich sie selbst zu werden.
Diese Geschichten zeigen: Wir kennen oft nur die Oberfläche eines Menschen. Welche Kämpfe, Ängste oder Hoffnungen ein Mensch in sich trägt und wie sehr das Umfeld Schaden anrichten kann oder bereits getan hat, sehen wir meistens nicht.
Darum sollten wir vorsichtig sein mit schnellen Urteilen.
In der Bibel heißt es: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“
Das steht im ersten Buch Samuel. Gott schaut tiefer. Er schaut nicht zuerst auf Rollen, Kategorien oder Erwartungen. Er schaut auf den Menschen. Auf das Herz. Auf die Seele.
Und genau das ist auch unsere Aufgabe: Menschen nicht vorschnell einzusortieren, sondern ihnen mit Offenheit und Interesse zu begegnen. Solange ein Mensch anderen nicht schadet, sollten wir ihm zugestehen, ehrlich, frei und mit sich im Einklang zu leben.
Liebe beginnt dort, wo Angst und Vorurteile kleiner werden. Und das ist eine der schönsten Formen gelebten Glaubens.
Landeskirche Hannovers
radio aktiv