01/09/2026
ALS JUNGS EIGENES EXPERIMENT ZUR METHODE WURDE
Was Jung zunächst an sich selbst ausprobierte, begann später seine Arbeit mit Patienten zu verändern.
Und das finde ich bemerkenswert.
Innere Bilder, Fantasien und Visionen mussten für ihn nicht automatisch etwas Krankhaftes bedeuten. Entscheidend wurde vielmehr die Frage: Was macht ein Mensch damit?
Verdrängt er sie? Verliert er sich darin? Oder schafft er es, sie bewusst zu beobachten, zu verstehen und in sein Leben einzuordnen?
Jung begann deshalb auch mit den Bildern seiner Patienten zu arbeiten. Er sammelte ihre Zeichnungen und ließ sie innere Bilder festhalten und weiterentwickeln. Er beschrieb ihnen sogar seine eigenen Erfahrungen und ermutigte sie, einen ähnlichen Weg zu versuchen.
Daraus entwickelte sich etwas, das später eng mit der aktiven Imagination verbunden wurde.
Und dieser Gedanke gefällt mir besonders:
Nicht jedes ungewöhnliche Bild muss eine Offenbarung sein.
Aber auch nicht alles, was wir nicht sofort verstehen, ist bedeutungslos.
Vielleicht sollte man manchmal einfach länger hinschauen.
Das kenne ich auch aus meiner eigenen kreativen Arbeit. Manche Farben, Formen oder Motive tauchen bei mir immer wieder auf. Seit ich mich mit Jung beschäftige, sehe ich solche Wiederholungen anders. Nicht als Beweis für irgendeine verborgene Wahrheit, sondern als etwas, bei dem es sich lohnen kann zu fragen:
Warum gerade das?
Aus Jungs ganz persönlicher Auseinandersetzung mit dem Unbewussten entstand damit nach und nach nicht nur die Rote Buch, sondern auch ein neuer Blick auf Psychotherapie: Sie sollte nicht ausschließlich Symptome beseitigen, sondern einem Menschen helfen, sich selbst vollständiger zu verstehen.
Und damit kommen wir zu einem der wichtigsten Begriffe bei Jung:
Individuation.
Darüber geht es als Nächstes.
Archiv des Wissens | Anna