06/10/2025
Ich gewöhne gerade 4 neue Räuberkinder ein. Das ist eine große Herausforderung und wahnsinnig anstrengend und nervenaufreibend für alle Parteien - die Eltern, die Kinder und natürlich für mich. Wie der Vormittag gerade bei uns abläuft, kann ich euch mal kurz zusammen fassen:
Wie ihr wisst, betreue ich bindungsorientiert. Mir ist es also sehr wichtig, dass die Kinder eine Bindung zu mir aufgebaut haben, bevor die Eltern den Raum verlassen. Ich mache das am Anfang, indem ich das Kind nicht bedränge, aber dennoch mit einbeziehe. Ich versuche dem Kind unauffällig zu helfen, ihm die Hand zu reichen, die Socken anzuziehen oder ihm Spielzeug zu reichen. Ich helfe auch, obwohl das gar nicht nötig ist, einfach nur um positiv mit dem Kind in Kontakt zu kommen.
Die erste Zeit kamen 2 Kinder zur gleichen Zeit frühs von 8-9:30 Uhr, die anderen beiden neuen von 9:30-11 Uhr. Unser großes Räuberkind ist natürlich die komplette Zeit da und braucht ebenfalls viel Aufmerksamkeit.
Heute hatte ich geplant den Papa vom 1. Kind für mindestens 30 Minuten zum Auto zu schicken. Ich habe also den Spielstaubsauger versteckt, den das Kind so liebt, um ihn dann im richtigen Moment hervorzuholen. Ich habe viele coole Spielsachen nach oben geräumt, damit sie dann spannend sind, wenn das Kind spannende Sachen braucht. Ich hab mir das Handy in die Tasche gesteckt, damit ich im Notfall nicht erst in das andere Zimmer laufen muss um den Papa zurück zu holen.
Den Papa konnten wir heute nach dem gemeinsamen Frühstück mit den beiden neuen Kindern und ihren Eltern zum Auto schicken. Er durfte heute schon 45 Minuten gehen. Zum Glück ist das Kind schon so gut eingewöhnt, dass es sich für diese 45 Minuten schon sehr wohl fühlt. Staubsauger wurde auch nur kurz angeschaut und das Kind hat super schön gespielt.
Währenddessen habe ich mich um das andere neue Kind gekümmert und versucht mit ihm zu spielen. Er liebt es das Licht an und auszuschalten. Also habe ich das mit ihm gemacht. An und aus. So lange er es ohne Mama im anderen Zimmer ausgehalten hat.
Dann kam auch schon der Papa vom Kind 1 zurück und hat ihn mitgenommen. Kind 2 ist noch ein paar Minuten überschneidend mit Kind 3 und 4 geblieben. Kind 3 bleibt schon 1,5 -2 Stunden alleine bei uns. Kind 4 dufte ich heute schon auf den Arm nehmen und es ist mit mir freiwillig! in ein anderes Zimmer gelaufen. Ganz ohne Mama. Dort konnten wir dann ein bisschen zusammen spielen.
Die Kunst besteht darin herauszufinden, was das einzelne Kind braucht. Manche brauchen viel Aufmerksamkeit und viel Ablenkung und Action, andere brauchen einfach Zeit, nette Blicke und eine große Portion Mut. Manche Kinder muss ich vorher fragen, bevor ich sie auf den Schoß nehme oder trage, andere schaue ich nur nett an und mache einfach - weil ich weiß, dass ich kein JA bekomme, wenn ich frage, aber das Kind es trotzdem toleriert und es genau das richtige in dieser Situation ist. Das ist besonders schwierig, weil so eine ungefragte Handlung auch ganz schnell schief gehen kann. Dafür ist es enorm wichtig, dass ich das Kind gut genug kenne, um das einschätzen zu können. Ein kleiner Fehler kann zu einem großen Rückschritt führen - so wie es zu keinem Fortschritt kommen wird, wenn ich nicht so handle und das Kind nicht einfach mal liebevoll und total selbstverständlich auf meinen Arm nehme um ihm etwas ganz tolles zu zeigen.
So ist jeder Schritt in der Eingewöhnung gut durchdacht und fast nichts ist Zufall - bis sich irgendwann alle 5 Räuberkinder hier sehr wohl fühlen.