13/08/2026
Augenwischerei? Das sagt unsere Schulpflegschaftsvorsitzende dazu:
Herr Kufen, ich finde es sehr schade, dass in Ihrer Darstellung zum Thema „Sichere Schulen“ ein entscheidender Punkt fehlt: Es entsteht der Eindruck eines Wettbewerbs, bei dem Schulen mit besonders vielen gemeldeten Gewalttaten bevorzugt behandelt werden. Damit wird auf Schulleitungen zusätzlicher Druck ausgeübt, obwohl diese bereits mit Gewalt, Mobbing, Verwaltung und vielen weiteren Aufgaben mehr als genug belastet sind.
Besonders wichtig finde ich den Fall am Berufskolleg. Der spätere Täter war bereits als gewalttätig bekannt und stand unter Beobachtung. Diese Beobachtung wurde eingestellt, weil er einige Monate unauffällig war. Danach wurde er erneut mehrfach straffällig – und trotzdem lief er weiterhin frei herum, bis zu dem Tag, an dem er eine Lehrerin mit einem Messer abstach. Hier sehe ich ein klares Versagen der zuständigen Stellen: der Stadt Essen, der Polizei, des Jugendamtes und aller weiteren Verantwortlichen, die von diesem Fall wussten und hätten handeln müssen. Die Schulen dafür verantwortlich zu machen, halte ich für völlig falsch.
Auch die geplanten Präventionsmaßnahmen sehe ich kritisch. Mein Sohn, der mittlerweile 20 Jahre alt ist, hatte bereits damals in seiner Grundschule das Theaterstück „Mein Körper gehört mir“. Dieses Angebot gibt es also seit vielen Jahren. Und trotzdem gibt es weiterhin massive Gewalt an Schulen – sogar an Grundschulen. Solche Projekte können sinnvoll sein, aber sie lösen das Problem offensichtlich nicht an der Wurzel.
Wir brauchen deshalb endlich konsequente Maßnahmen für Kinder und Jugendliche, die wiederholt massiv gewalttätig werden. Auch die gesetzliche Regelung zur Strafmündigkeit muss dringend auf den Prüfstand. Es kann nicht sein, dass Kinder im Grundschulalter massiv Gewalt gegen andere Kinder ausüben und faktisch keine strafrechtlichen Konsequenzen möglich sind, nur weil sie unter 14 Jahre alt sind. Ich bin nicht dafür, die Grenze einfach auf 12 Jahre herabzusetzen. Stattdessen muss für jedes Kind individuell anhand seiner Reife und seines Verhaltens entschieden werden können, welche Konsequenzen notwendig sind.
Und warum sollen Schließsysteme erst bis 2030 umgesetzt werden? Sicherheit brauchen unsere Schulen jetzt und nicht erst in dreieinhalb Jahren. Schulen müssen außerdem schneller und unbürokratischer handeln können, wenn Kinder oder Jugendliche trotz aller Maßnahmen wiederholt massiv auffällig werden.
Wer wirklich sichere Schulen möchte, muss endlich dort ansetzen, wo die Probleme entstehen, Verantwortung übernehmen und die Schulen stärken – statt Schulleitungen noch mehr Druck und Bürokratie aufzubürden.
Und so lange muss jede Schule für sich den Weg finden.
Wir nutzen Lions Quest seit ein paar Jahren schon. Haben das Motto "Wer schlägt der geht!" (Gewalt führt zur sofortigen Suspendierung), haben Herren Sowa den Jugendkontaktbeamten 1x im Monat im Haus, eine Schulpsychologin, ein Krisenteam, Schulsozialarbeiter, aufmerksame Lehrkräfte sowie Schulleitungen, enge Zusammenarbeit mit den JPI und den Hüweg.
Kinder müssen sich in der Schule sicher fühlen und sicher sein. Dafür schaffen wir die Voraussetzungen. 🏫
Mit dem Beschluss des Rates Anfang Juli (08.07.) geht unser Konzept „Schule als sicherer Ort“ in die nächste Phase. Nachdem bereits an ersten Schulen baulich-technische Maßnahmen umgesetzt wurden, stärken wir jetzt die Prävention.
Ab dem Schuljahr 2026/2027 starten an zunächst 21 Essener Schulen wissenschaftlich fundierte Gewaltpräventionsprogramme. Sie helfen Kindern und Jugendlichen dabei, Konflikte friedlich zu lösen, respektvoll miteinander umzugehen und soziale Kompetenzen zu stärken. Gleichzeitig unterstützen sie Lehrkräfte dabei, ein gutes Klassenklima zu fördern.
Auch der Schutz vor sexualisierter Gewalt wird weiter ausgebaut: Das Theaterprogramm „Mein Körper gehört mir“ wird 2026 für die dritten Klassen an 53 Grund- und Förderschulen finanziert. Es stärkt Kinder darin, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen, Nein zu sagen und sich Hilfe zu holen.
Bereits umgesetzt wurden an ersten Schulen unter anderem neue Schließsysteme, eine verbesserte Außenbeschilderung sowie moderne Alarmierungs- und Orientierungssysteme.
Bis 2030 sollen alle städtischen Schulen Zugang zu den Gewaltpräventionsprogrammen erhalten. Denn Prävention beginnt nicht erst dann, wenn etwas passiert – sie beginnt dort, wo Kinder jeden Tag lernen und zusammenleben.
Mehr Informationen 👉 www.t1p.de/schule_als_sicherer_ort_juli2026
(Foto: Stadt Essen)
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