19/07/2026
Eine besondere Herausforderung des Erinnerns liegt in der Geschichte der Stadt selbst: Die Lager der Zwangsarbeiter:innen gehörten zum sichtbaren Alltag des deutschen Breslau. Nach 1945 wurde aus Breslau das polnische Wrocław – mit einer neuen Bevölkerung und zunächst auch einer neuen, vor allem polnisch geprägten Erinnerungskultur.
Krzysztof Ruchniewicz zeigte jedoch, dass sich beide Geschichten nicht voneinander trennen lassen. Ehemalige polnische Zwangsarbeiter, die nach Kriegsende in Wrocław blieben und sich später im „Klub Ludzi ze Znakiem P“ („Klub der Menschen mit dem Zeichen P) zusammenschlossen, wurden selbst zu Trägern dieser Verbindung.
Mit diesem spannenden und bewegenden Vortrag beschließen wir am Lehrstuhl die Vorlesungszeit des Sommersemesters 2026. Wir wünschen allen Kolleg:innen, Studierenden und Freund:innen der Geschichte erholsame Wochen und freuen uns auf ein Wiedersehen im kommenden Semester. ✨Auf bald!
16/06/2026
„Den ersten Kolloquiumsvortrag zu einem neuen Thema vergisst man nicht mehr“,
so Prof. Dr. Frank Bösch vom ZZF Potsdam am 11. Juni 2026 im Oberseminar der Geschichte Osteuropas in Erlangen.
Für uns war es eine große Freude und Ehre, dass Frank Bösch sein neuestes Forschungsprojekt bei uns am Lehrstuhl vorgestellt hat. Im Zentrum seines Vortrags stand die Geschichte der Aufnahme jüdischer Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland seit den 1990er Jahren.
Prof. Bösch skizzierte die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen er sich diesem Themenfeld nähert. Die Verwaltungsakten in den Archiven sprechen eine Sprache von Quoten und Begrenzungen, politischen und juristischen Vorbehalten sowie von teils überforderten Behörden. Seine Gesprächspartner:innen aus zahlreichen Interviews berichten dagegen von Tagen und Stunden, die sie in den Schlangen vor den deutschen Auslandsvertretungen in Kyjiw oder St. Petersburg verbrachten, von emotionalen Ankunftsgeschichten und von gebrochenen Berufsbiografien infolge nicht anerkannter Bildungsabschlüsse.
Auch die jüdischen Gemeinden in Deutschland verbanden mit der Zuwanderung große Erwartungen. Sie hofften auf eine Wiederbelebung jüdischen religiösen Lebens — und stellten zugleich fest, dass viele der aus der Sowjetunion stammenden Menschen ein säkulares Verständnis von Judentum mitbrachten.
Die Geschichte der Kontingentflüchtlinge zu erzählen, bedeutet daher, so Frank Bösch, auch eine Geschichte „gegenseitig enttäuschter Erwartungen“ zu schreiben.
Wir danken Prof. Dr. Frank Bösch sehr herzlich für den eindrucksvollen Einblick in ein laufendes Forschungsprojekt und für die anschließende anregende Diskussion.
15/06/2026
Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg ist bis heute stark westeuropäisch ausgerichtet. Der Krieg „im Osten“ hingegen bleibt hierzulande eine große Leerstelle. Dieses Unwissen steht in starkem Kontrast zu den Erinnerungen in den betroffenen Gesellschaften Osteuropas, für die der Krieg und die Besatzung zentrale historische Bezugspunkte sind.
Der Vortrag von Prof. Dr. Katja Makhotina nimmt die bisher kaum beachtete Gruppe der Betroffenen in den Blick: die Opfer des deutschen Krieges gegen die Sowjetunion.
📅 Mittwoch, 17. Juni 2026
🕖 19:00–20:30 Uhr
📍 VHS Erlangen, Historischer Saal, Friedrichstr. 19
🎟️ Eintritt frei
Alle Interessent sind herzlich willkommen — auch ohne Anmeldung
29/05/2026
Einladung zum Oberseminar!
Am 3. Juni 2026 um 18:15 Uhr hält Jan Rößner (Erlangen) einen Vortrag zum Thema „Vorstellung der Zulassungsarbeit: Schreiben und Schweigen im Zweiten Weltkrieg. Der Nachlass Eugen Doßler“ im Rahmen des Oberseminars des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit Schwerpunkt Osteuropäische Geschichte.
Ort: Bismarckstr. 12, 91054 Erlangen, 1. Stock
25/05/2026
Wir laden herzlich zum Oberseminar des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Geschichte Osteuropas ein.
Das Seminar findet in der Regel donnerstags von 16 bis 18 Uhr (c.t.) im Seminarraum des Lehrstuhls (Bismarckstraße 12, 91054 Erlangen, 1. Stock) statt.
25/05/2026
Am 11. Juni freuen wir uns sehr, Prof. Dr. Frank Bösch in Erlangen begrüßen zu dürfen.
📅 11. Juni 2026
📍 Bismarckstraße 12, Erlangen
🕒 14:00 – 16:00 c.t.
Frank Bösch ist Professor für Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts an der und . Er ist Autor von zahlreichen breit rezipierten Bücher u.a. von: „Zeitenwende 1979. Als die Welt von heute begann“ (C.H. Beck 2019) und „Deals mit Diktaturen. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik“ (C.H. Beck 2024)
Im Oberseminar spricht Frank Bösch über sein aktuelles Buchprojekt zur Aufnahme (post-)sowjetischer Jüdinnen und Juden in Deutschland zwischen 1970 und 2005. Das Projekt nimmt die Migration aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten im Kontext von Kaltem Krieg, Mauerfall und deutscher Vereinigung in den Blick.
Jüngst traf sich Frank Bösch im Kölner Begegnungscafé des Bundesverbands Information & Beratung für NS-Verfolgte mit Zeitzeug:innen, darunter auch jüdischen Kontingentflüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten. Die Gespräche wurden von Prof. Dr. Katja Makhotina (FAU Erlangen-Nürnberg) übersetzt und begleitet. Weitere Informationen zum Begegnungscafé bei ns_beratung
Foto © ZZF Potsdam | Andy Küchenmeister
21/05/2026
Einladung zum Oberseminar!
Am 28. Mai 2026 um 14:15 Uhr hält Dr. Irina Gordeeva (Potsdam) einen Vortrag zum Thema „The Radical Pacifist Movement in the Russian Empire and Soviet Russia, Late 19th and Early 20th Centuries“ im Rahmen des Oberseminars des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit Schwerpunkt Osteuropäische Geschichte.
Ort: Bismarckstr. 12, 91054 Erlangen, 1. Stock
06/05/2026
Dr. Pavlo Yeremieiev zu Gast am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas
Im April 2026 war Dr. Pavlo Yeremieiev von der Karazin-Universität Charkiw zu Gast an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Im Rahmen des Erasmus+-Programms verbrachte der ukrainische Historiker zwei Wochen am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas.
Höhepunkt des Aufenthalts bildeten der öffentliche Vortrag „The Religious Past of the Ukrainian Lands in the Narratives of the ‘Long’ Nineteenth Century“ am 29. April 2026 sowie ein thematischer Input im Hauptseminar von Prof. Dr. Katja Makhotina.
Der Vortrag fand als gemeinsame Sitzung des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, des Lehrstuhls für Geschichte der Frühen Neuzeit sowie der Professur für Neuere Bayerische und Fränkische Landesgeschichte und Volkskunde statt. Dr. Yeremieiev sprach darüber, wie die russische nationale Historiographie des 19. Jahrhunderts die religiöse Spezifik der ukrainischen Länder behandelte bzw. ausblendete und welche Rolle die Religion bei der Konstruktion nationaler Identitäten spielte.
Im Hauptseminar zur Entwicklung der Gewissensfreiheit diskutierte er mit den Studierenden religiöses Dissidententum und dessen Verfolgung als „unbequemes Thema“ in der russischen Nationalhistoriographie sowie die Nationalisierung der Orthodoxie im langen 19. Jahrhundert. Die lebhafte und nuancierte Diskussion zeigte großes Interesse der Studierenden an ukrainischer und osteuropäischer Geschichte.
Prof. Dr. Katja Makhotina fasste den Besuch zusammen:
„Pavlo Yeremieiev hat uns mit komplexen, nuancierten und sehr anregenden Fragen zur Geschichte des ‚langen 19. Jahrhunderts‘ im Russischen Reich, besonders in Bezug auf die Ukraine, inspiriert. Wir haben viel gelernt – über Nationen als Ergebnis bewusster Entscheidungen und über die zentrale Rolle der Religion bei der Gestaltung von Kultur, Politik und Sprache.“
Dr. Pavlo Yeremieiev zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden:
„Der Besuch war für mich sowohl beruflich als auch persönlich eine große Bereicherung. Die öffentliche Vorlesung und die Arbeit im Seminar haben mir wertvolles Feedback gegeben und noch einmal bestätigt, dass die ukrainische Perspektive ein wichtiger Bestandteil des internationalen akademischen Dialogs ist.“
Während seines zweiwöchigen Forschungsaufenthalts nutzte Dr. Yeremieiev intensiv die Universitätsbibliothek und führte zahlreiche fachliche Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen des Lehrstuhls.
Der Lehrstuhl dankt Dr. Pavlo Yeremieiev herzlich für seinen inspirierenden Besuch und freut sich auf die Fortsetzung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
27/04/2026
Dr. Pavlo Yeremieiev von der Karazin-Universität Charkiw spricht zum Thema:
"The Religious Past of the Ukrainian Lands in the Narratives of the ‘Long’ Nineteenth Century"
📆 Mittwoch, 29. April 2026
🕕18:00 Uhr c.t.
📍Philosophisches Seminargebäude III, 0.004 (Kochstraße 6a)
Der Vortrag findet im Rahmen einer gemeinsamen Kolloquiumssitzung des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, des Lehrstuhls für Geschichte der Frühen Neuzeit und der Professur für Neuere Bayerische und Fränkische Landesgeschichte und Volkskunde statt.
22/04/2026
Digitale Geschichte im Südkaukasus
Vom 30. März bis 4. April 2026 wurde Tiflis zum Treffpunkt für Nachwuchshistoriker:innen und GLAM-Expert:innen aus der Region und darüber hinaus.
Bei der internationalen Spring School „Digital History Lab Tbilisi 2026“ standen praxisnahe Einblicke in digitale Methoden im Fokus – von Datenmodellierung über Research Infrastructures bis hin zu Large Language Models und Linked Open Data.
Organisiert vom Georgia Branch Office der Max Weber Stiftung und unserem Lehrstuhl bot das Programm Workshops, Projektpräsentationen und Exkursionen zu georgischen Archiven und Museen.
Besonderes Highlight - der Beitrag unserer Mitarbeiterin Dr. Dinara Gagarina, die zentrale Grundlagen der Datenmodellierung vermittelte und praxisorientierte GIS-Übungen leitete. Zudem brachte sie ihre Expertise in die Roundtable-Diskussion zu aktuellen Herausforderungen der Digital History in Osteuropa und dem Kaukasus ein.