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Lehrerberuf attraktiver machen! Was der Rechnungshof gegen den Lehrermangel empfiehlt

SAARBRÜCKEN. Lehrer werden gebraucht, doch es fehlt an Nachwuchs. Und die Konkurrenz unter den Ländern ist groß. Was tut das Saarland, um neue Lehrkräfte zu gewinnen? Und was ließe sich noch besser machen? Mit diesen Fragen hat sich jetzt der Landesrechnungshof beschäftigt. Die Ergebnisse formulierte er in einem 155 Seiten starken Sonderbericht.
Da geht was! (Symbolbild.) Foto: Shutterstock
«Eine sinkende Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern auf Lehramtsstellen kann zu einem echten Problem für unser Bildungssystem im Saarland werden», sagte Rechnungshof-Präsidentin Annette Groh auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Mit unserer Prüfung wollten wir uns selbst ein umfassendes Bild von den maßgeblichen Ursachen machen und die aktuellen Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung analysieren.» Auch wolle man der Landesregierung «eine ganze Reihe von Stellschrauben» aufzeigen.
Die Prognose
«Da die Schülerzahlen aktuell – insbesondere im Grundschulbereich – stark steigen und vermehrte Altersabgänge bei den Lehrkräften in den folgenden Jahren zu erwarten sind, wird in den kommenden Jahren ein erhöhter Einstellungsbedarf entstehen», heißt es im Bericht.
Die prognostizierten Schülerzahlen steigen in den allgemeinbildenden Schulen vom Schuljahr 2020/2021 bis zum Schuljahr 2035/2036 um knapp 16 Prozent – das bedeute etwa 14.442 Schüler mehr. Im aktuellen Schuljahr gibt es rund 128.000 Schülerinnen und Schüler, davon knapp 26.700 an beruflichen Schulen. Laut Prognosen würden von 2023 bis 2035 für alle Lehrämter insgesamt 3.995 neu einzustellende Lehrkräfte erforderlich sein.
«Der zu erwartende Einstellungsbedarf in den nächsten Jahren zeigt, dass das Saarland vor beachtlichen Herausforderungen stehen wird, um die Versorgung seiner Schulen mit Lehrkräften zu sichern», heißt es im Bericht. Verständlicherweise auch vor dem Hintergrund, dass bereits heute in allen Bundesländern ein Lehrkräftemangel und eine Konkurrenzsituation um fertig ausgebildete Lehrkräfte bestehe.
Die Situation
Nach Angaben des Bildungsministeriums haben zum 1. August 13 pädagogische Fachkräfte und 132 neue Lehrerinnen und Lehrer ihren Dienst an saarländischen Schulen angetreten. Darunter befänden sich auch die ersten acht Quereinsteiger, die Anfang 2025 ihren Vorbereitungsdienst aufgenommen hatten. Sie werden künftig in der Sonderpädagogik sowie in den Fächern Bildende Kunst und Musik eingesetzt. Vier weitere Lehrkräfte treten ihren Dienst an Berufsschulen an und kommen über den dort bereits etablierten Quereinstieg in den saarländischen Schuldienst.
«Dass wir nun die ersten Absolventinnen und Absolventen des Quereinstiegs in den Schuldienst übernehmen können, zeigt: Die Öffnung zusätzlicher Zugangswege zum Lehrerberuf war eine richtige und wichtige Entscheidung», so Ministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). Sie brächten ihre fachliche Qualifikation sowie vielfältige Erfahrungen aus anderen beruflichen Bereichen mit. «Diese unterschiedlichen Perspektiven bereichern das Schulleben und eröffnen neue Impulse für unsere Schülerinnen und Schüler.»
Bilanz und Vorschläge
Eine Schulnote wollte Rechnungshof-Präsidentin Groh der Landesregierung nicht ausstellen für deren Bemühen, neue Lehrkräfte zu gewinnen. «Gerade solch eine Prüfung, bei der wir einen so komplexen Prozess anschauen, lässt sich mit einem Durchschnittswert nicht abbilden», sagte sie auf Anfrage. Die Zufriedenheit der Prüfer bemesse sich daran, in welchem Umfang es gelungen sei, zu einer echten Verbesserung beizutragen. «Insofern sind wir insgesamt zufrieden», kommentierte sie den Bericht.
Die Prüfung habe gezeigt, dass im Prozess zur Gewinnung des Lehrkräftenachwuchses an unterschiedlichen Stellen «durchaus noch Luft nach oben» sei. Man habe eine ganze Reihe an Handlungsfeldern identifizieren können, «die gute Möglichkeiten für eine verbesserte Lehrkräftegewinnung bieten.» Einige Beispiele:

Steigerung der Attraktivität des Lehrberufs und Anpassung an aktuelle Herausforderungen – etwa durch die Einrichtung von Stellen für Schulverwaltungsassistenzen. Außerdem soll eine «anschlussfähige Besoldungsstruktur» im Vergleich zu den anderen Ländern im Blick behalten werden
Ausreichende Personalisierung bei der Sprachförderung
Intensivierung und Verbesserung von Werbemaßnahmen
Auswahlverfahren transparenter und zügiger gestalten
Mehr Digitalisierung und Nutzung von geeigneten technischen Verfahren
Lehrerausbildung optimieren – etwa durch mehr Praxisanteile im Studium und Dokumentation von Studienabbrüchen und damit verbundene Ursachenforschung
Vorbereitungsdienst auch in Teilzeit anbieten
Möglichkeiten des Quereinstiegs evaluieren und alternative Wege prüfen

Was sagt die Ministerin?
Die Bildungsministerin weist darauf hin, dass der Wettbewerb um Lehrkräfte bundesweit groß sei – deshalb habe man im Saarland den Quereinstieg ausgebaut, Bewerbungswege flexibilisiert und gezielt neue Zugänge für Mangelfächer geschaffen. «Der Rechnungshof bewertet diese Maßnahmen ausdrücklich positiv, zeigt aber zugleich konkrete Verbesserungspotenziale auf. Diese Hinweise nehmen wir sehr ernst», teilte Streichert-Clivot auf Anfrage mit.
Viele Empfehlungen seien bereits umgesetzt oder befänden sich aktuell in Umsetzung. «Unser Anspruch ist klar», so die Ministerin: «Wer gut qualifiziert ist und im Saarland Lehrkraft werden will, soll einen möglichst einfachen und attraktiven Weg in unsere Schulen haben.» News4teachers / Von Katja Sponholz, dpa
Vom Lehrermangel direkt in den Lehrerüberschuss? Demografie schlägt schon durch

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Photos from Lehrerinfos - Lehrernews - Lehrertipps's post 10/08/2026

Start ins Referendariat: Angehende Lehrkräfte sollen Haltung gegen Hetze zeigen

HAMBURG. 427 neue Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst starten in Hamburgs Schulen – und sollen sich klar gegen Diskriminierung und für Demokratie positionieren, betont die Bildungsstaatsrätin.
Ich schwöre… (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock
Hamburgs Schulbehörde hat angehende Lehrerinnen und Lehrer der Hansestadt zu einem aktiven Eintreten für Demokratie und Menschenrechte aufgefordert. «Als Lehrkraft vertreten Sie keine parteipolitische Position. Gegenüber Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit können Sie jedoch nicht neutral bleiben», erklärte Bildungsstaatsrätin Katharina von Fintel laut einer Mitteilung bei der Vereidigung von 427 neuen Lehrkräften im Vorbereitungsdienst. Wo die Würde eines Menschen infrage gestellt werde, brauche es Klarheit.
Widerspruch, wenn demokratische Regeln missachtet werden
«Wo demokratische Regeln missachtet werden, braucht es Widerspruch», betonte von Fintel im Großen Festsaal des Rathauses. Der sogenannte Beutelsbacher Konsens als eine Grundlage politischer Bildung verbietet Lehrkräften, junge Menschen zu überwältigen oder ihnen eine bestimmte Meinung vorzugeben. Eine demokratische Schule müsse aber dennoch deutlich machen, «wo die Grenze des Sagbaren überschritten wird und aus einer Meinung ein Angriff auf andere Menschen oder auf unsere freiheitliche Ordnung wird».
Nach Angaben der Schulbehörde gab es in Hamburg weit mehr Bewerbungen als Plätze. So hätten sich 1.062 junge Menschen um einen der 427 Plätze bemüht. In der vorherigen Runde lag das Verhältnis noch bei 393 Plätzen zu 938 Bewerbungen. Der Notendurchschnitt aus dem Studium liege derzeit bei 1,64.
Stadtteilschulen und Gymnasien am begehrtesten
Am begehrtesten waren erneut die Plätze für den Vorbereitungsdienst zum Lehramt Sekundarstufe I und II, also für Stadtteilschulen und Gymnasien. Danach folgten die Grundschulen. Der Anteil an Quereinsteigerinnen und -einsteigern sei im Vergleich zum Einstellungstermin im Vorjahr erneut auf nunmehr 3,8 Prozent gesunken.
Das Durchschnittsalter der Nachwuchslehrkräfte, die nun 18 Monate im Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung und in den Schulen ausgebildet werden, liege bei 30,2 Jahren. Die älteste Person sei 60, die jüngsten seien 23 Jahre alt. 72,6 Prozent der angehenden Lehrkräfte seien Frauen. Der Männeranteil sei jedoch wieder leicht gestiegen – im Vergleich zum Februar um 4,1 Prozentpunkte. News4teachers / mit Material der dpa
„Wir möchten Lehrkräfte stärken – damit sie die Momente erkennen, in denen es gilt, demokratische Haltung zu zeigen“

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Photos from Lehrerinfos - Lehrernews - Lehrertipps's post 03/08/2026

Teenager mit Social-Media-Konto sind schlechter in der Schule – deutlich! (Außer…)

MILAN. Videos schauen bei den Hausaufgaben, abends mit den Freunden schreiben, statt zu schlafen: Soziale Medien bestimmen den Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Das hat Auswirkungen auf die Noten – wie jetzt auch eine Studie aus Italien belegt.
Wie jetzt? (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock
Bitten Kinder ihre Eltern um ein eigenes Smartphone, bekommen sie oft zu hören: Wer schon in jungen Jahren ständig TikToks schaut und durch Instagram scrollt, macht zu wenig für die Schule. Eine neue Studie aus Italien kommt zu dem Schluss, dass sie damit recht haben könnten.
Die Forschenden um Marco Gui von der University of Milano-Bicocca in Milan befragten dafür mehr als 5.000 Schülerinnen und Schüler, in welchem Alter sie ihr erstes Social-Media-Konto einrichteten: vor der neunten Klasse oder erst danach. Dann analysierten sie, wie die Schülerinnen und Schüler in späteren Leistungstests abschnitten, und zwar in Mathematik, der Muttersprache Italienisch sowie Englisch.
Schlechtere Tests, häufigeres Sitzenbleiben
Das Ergebnis der im Fachblatt «Nature Human Behaviour» veröffentlichten Studie: Diejenigen, die bereits in der sechsten, siebten oder achten Klasse ein Social-Media-Konto hatten, schnitten in den Tests im Schnitt schlechter ab als diejenigen, die mindestens bis zur neunten Klasse mit einem Konto warteten, also dann meist mindestens 14 oder 15 Jahre alt waren. Auch wiederholten die frühen Nutzer und Nutzerinnen von Tiktok, Instagram, Facebook usw. häufiger eine Klasse.
Nur in Englisch waren die Teenager, die schon früh einen Account in sozialen Medien hatten, genauso gut. Die Autoren der Studie stellen die Hypothese auf, dass dies mit der «allgegenwärtigen Präsenz englischsprachiger Inhalte auf Social-Media-Plattformen» zusammenhängen könne. Das helfe den Schülerinnen und Schülern möglicherweise, informell Englisch zu lernen.
Mögliche Gründe: Ablenkung, weniger Zeit, Überlastung
Die Autorinnen und Autoren erklären, ihre Studie zeige, dass es wohl wirklich einen ursächlichen Zusammenhang zwischen sozialen Medien und Lernleistungen gebe. Denn das Team habe für die Studie zum Beispiel das Bildungsniveau der Eltern und den sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund der Familien berücksichtigt.
Die möglichen Gründe für die beobachteten Effekte wurden in der Studie nicht untersucht. Vorherige Forschung verweise aber auf die häufige Ablenkung durch soziale Medien, die das Lernen stört. Das Team schreibt weiter, zukünftig könne auch geschaut werden, ob es ein Zeitproblem sei: Wer gerade in sozialen Medien abhänge, könne nicht für die Schule lernen. Außerdem könne auf kognitive Überlastung geschaut werden, also ob das Arbeitsgedächtnis des Gehirns die Fülle an Informationen gar nicht aufnehmen könne.
Verbote schon angekündigt
Ob Jugendliche erst ab einem bestimmten Alter auf Social Media zugreifen dürfen, wird derzeit weltweit diskutiert. Als erstes Land in der Europäischen Union wird Frankreich ein Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren einführen. Es soll nach den Sommerferien gelten. Auch Deutschland, Spanien, Griechenland und Österreich wollen ein Social-Media-Verbot für Minderjährige bis zu einem bestimmten Alter gesetzlich festlegen.
In den politischen Debatten geht es vor allem um Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und das Suchtpotenzial. Doch auch die Konzentrationsfähigkeit, die Schlafqualität, die Lebenszufriedenheit und auch schulische Leistungen können wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge vermutlich darunter leiden.
Andere Forscher loben die Studie
Die aktuelle Studie sei geschickt gemacht, gelungen und die Ergebnisse fügten sich in die bisherige Forschung ein, meint Prof. Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. «Wieder einmal wurde gezeigt, dass eine frühe Social-Media-Nutzung zu negativen Effekten bei den Lernleistungen führen kann.»
Die Leistungsunterschiede bei Tests in der achten oder zehnten Klasse zwischen denjenigen Jugendlichen, die einen Account in der sechsten Klasse erstellten und denjenigen, die einen Account ab der neunten Klasse erstellten, betrugen ein halbes Schuljahr. Das hält Zierer für dramatisch. Er ist der Meinung, dass die Ergebnisse auch auf andere westliche Länder wie Deutschland übertragbar sind.
Christian Montag, Außerordentlicher Professor für Kognitions- und Neurowissenschaften an der Universität Macau SAR in China, denkt, dass vor allen Dingen die ständigen Unterbrechungen durch aufploppende Social-Media-Benachrichtigungen auf dem Smartphone die Effekte erklären. «Dadurch werden die Zeitspannen möglicher Konzentration kürzer.»
Forscherin fordert Schulung der jungen Menschen
María Paz Prendes Espinosa, Professorin für Bildungstechnologie an der University of Murcia in Spanien, ist sich nicht so sicher, dass die Studie wirklich so einfache Zusammenhänge zwischen Social-Media-Eintrittsalter und Schulleistung liefert. Dennoch zeige die Untersuchung, dass digitale Medien zum Alltag der Kinder gehören.
«Angesichts dieser Situation wird ein Verbot der Nutzung von Technologie die damit verbundenen Probleme nicht lösen», meint sie. «Im Gegenteil: Wir müssen eine Bildung fördern, die auf den realen Kontext, in dem wir leben, zugeschnitten ist; wir müssen die Menschen schulen und dazu anleiten, den Umgang mit Technologie zu beherrschen.» News4teachers / mit Material der dpa
Social-Media für Schüler beschränken? Schulleitungen: „Verbote allein reichen nicht!“

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Photos from Lehrerinfos - Lehrernews - Lehrertipps's post 27/07/2026

Zur Erfassung der Arbeitszeit: GEW will Lehrkräften jetzt eigene App bereitstellen
BERLIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin will zum Beginn des neuen Schuljahres ein eigenes digitales Instrument zur Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte vorstellen. Beschäftigte sollen damit ihre tatsächlich geleistete Arbeitszeit dokumentieren und so Ansprüche wegen unbezahlter Mehrarbeit systematisch geltend machen können. Die Ankündigung verschärft den Konflikt mit der Berliner Bildungsverwaltung, die bislang kein verbindliches Verfahren zur Arbeitszeiterfassung eingeführt hat.
„Wir schaffen jetzt konkrete Wege.“ (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock
Nach Angaben der Gewerkschaft soll die App den Lehrkräften ermöglichen, ihre Arbeitszeiten eigenständig zu erfassen und Überschreitungen der vorgesehenen Arbeitszeit nachvollziehbar zu dokumentieren. Wie das Tool genau funktioniert, soll auf einer Pressekonferenz am 18. August vorgestellt werden. Zugleich bereitet die GEW nach eigenen Angaben Musterverfahren vor, um Ansprüche ihrer Mitglieder rechtlich durchzusetzen.
„Die Senatsverwaltung kann das Thema nicht länger aussitzen. Wir schaffen jetzt konkrete Wege, damit Kolleg*innen ihre Arbeitszeit sichtbar machen und ihre Ansprüche geltend machen können. Wenn das Land Berlin keinen verbindlichen Weg zur Erfassung eröffnet, werden wir unseren Mitgliedern diese Möglichkeit geben“, erklärt Sven Dudkowiak, Leiter des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW Berlin.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist eine Arbeitszeitstudie der Universität Göttingen, die vor gut einem Jahr mit Unterstützung der GEW vorgestellt wurde. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Berliner Lehrkräfte im Durchschnitt rund 100 Stunden pro Jahr mehr arbeiten als der für Landesbeschäftigte vorgesehenen Jahresarbeitszeit entspricht. Nach Berechnungen der Studienautoren summiert sich die unbezahlte Mehrarbeit auf mehr als zwei Millionen Stunden jährlich; rechnerisch wären mehr als 1.300 zusätzliche Vollzeitstellen erforderlich, um sie auszugleichen.
Die Untersuchung zeigte außerdem, dass während der Unterrichtswochen rund 30 Prozent der vollzeitbeschäftigten Lehrkräfte regelmäßig die gesetzliche Arbeitsschutzgrenze von 48 Wochenstunden überschreiten. Insgesamt leisten den Ergebnissen zufolge 64 Prozent der Lehrkräfte mehr Arbeit als vorgesehen. Besonders betroffen sind neben Schulleitungen und Gymnasiallehrkräften auch Teilzeitbeschäftigte.
Die GEW wirft der Berliner Bildungsverwaltung vor, trotz dieser Ergebnisse bislang weder ein Pilotprojekt noch ein verbindliches Verfahren zur Arbeitszeiterfassung eingeführt zu haben. Bereits seit einigen Monaten stellt die Gewerkschaft ihren Mitgliedern ein Aufforderungsschreiben zur Verfügung, mit dem sie Ansprüche auf erfasste Mehrarbeit gegenüber dem Arbeitgeber anmelden können. Mit dem angekündigten Instrument zum Schuljahresbeginn soll nun auch die Dokumentation der Arbeitszeit erleichtert werden.
Parallel dazu läuft ein personalvertretungsrechtliches Verfahren. Nach Angaben der GEW hatte der von ihr geführte Personalrat der allgemeinbildenden Schulen in Tempelhof-Schöneberg einen Initiativantrag zur Einführung einer verbindlichen Arbeitszeiterfassung gestellt. Nachdem die Senatsverwaltung dem Antrag nicht gefolgt sei, werde die Angelegenheit nun vor der Einigungsstelle verhandelt.
Die Debatte reicht allerdings über Berlin hinaus. Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts verpflichten Arbeitgeber grundsätzlich dazu, Arbeitszeiten systematisch zu erfassen. Wie diese Vorgaben an Schulen umgesetzt werden sollen, ist bundesweit weiterhin offen. Bremen startet zum Schuljahresbeginn 2026/27 als erstes Bundesland ein Pilotprojekt zur digitalen Arbeitszeiterfassung an ausgewählten Schulen. News4teachers
Arbeitszeit von Lehrkräften: Bremen erkennt als erstes Bundesland Erfassungspflicht ausdrücklich an – Pilotprojekt startet nach den Sommerferien

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Photos from Lehrerinfos - Lehrernews - Lehrertipps's post 20/07/2026

Zu bürokratisch: Viele junge Menschen gehen bei Teilhabe-Geldern leer aus

GÜTERSLOH. Komplizierte Anträge und geringe Beträge: Eine Analyse zeigt, dass viele Kinder trotz Anspruch kaum Unterstützung für Freizeit und Bildung bekommen.
Jedes siebte Kind in Deutschland gilt als armutsgefährdet (Symbolfoto). Foto: Shutterstock
Kinder und Jugendliche, deren Eltern Grundsicherung beziehen, haben seit 15 Jahren Anspruch auf finanzielle Unterstützung für das Mitmachen bei Sport und Kultur oder für die Unterstützung in der Schule. Laut einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung aber kommt ein Großteil der Gelder nicht an. So erhalten mehr als acht von zehn Anspruchsberechtigten den monatlichen Betrag von 15 Euro zur sozialen und kulturellen Teilhabe nicht, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung aus Gütersloh.
Den Berechnungen zufolge nehmen von den 6- bis unter 15-Jährigen nur rund 18 Prozent die Leistung in Anspruch, den 15- bis unter 18-Jährigen sind es nur 12 Prozent. Bei jungen Menschen, die Sozialhilfe beziehen oder die unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen, sei der Abruf der Hilfen noch geringer. Die Autoren beklagen, dass wegen mangelnder Daten bei Kindern aus Familien, die Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, nicht bekannt sei, wie viele von ihnen die Leistungen beziehen.
Den Zuschuss für Schulbedarf von 195 Euro pro Jahr erhalten laut der Analyse 78 Prozent der 6- bis unter 15-Jährigen, deren Eltern Grundsicherung erhalten. Damit, so die Stiftung, bleibt jedes fünfte Kind ohne Unterstützung für Hefte, Stifte oder andere Lernmittel. Das gemeinsame Mittagessen nutzen nur 37 Prozent.
Zu stark vom Wohnort abhängig
Die Autoren beklagen außerdem, dass der Abruf der Gelder zu stark vom Wohnort der Eltern abhängt. In Schleswig-Holstein nehmen 59 Prozent der Berechtigten die Leistungen in Anspruch, in Mecklenburg-Vorpommern 38 Prozent. In Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz erreicht der Teilhabebetrag nur einen von zehn der anspruchsberechtigten jungen Menschen.
«Die geringe Nutzung liegt nicht daran, dass die Kinder keinen Bedarf hätten. Vielmehr ist der Betrag klein und der Weg dorthin sehr aufwendig», betont Antje Funcke, Expertin der Stiftung für Familienpolitik. Unterschiedliche Bewilligungs- und Antragsverfahren, komplexe Formulare und umfangreiche Nachweispflichten erschwerten es Funcke zufolge den Eltern, die Leistungen zu beantragen.
Die Stiftung fordert deshalb, den Zugang zu den Leistungen zu erleichtern. Gelder sollten ohne zusätzliche Anträge ausgezahlt und so auch Bürokratie abgebaut werden. Das würde auch die Kommunen in der Verwaltung entlasten.
Bildungs- und Teilhabepaket aus dem Jahr 2011
Die damalige Bundesregierung von CDU/CSU und FDP hatte 2011 das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket eingeführt, um bei Kindern und Jugendlichen den finanziellen Bildungs- und Teilhabebedarf zu decken. Dabei geht es unter anderem um die Teilnahme an Ausflügen in der Schule und in Kitas, Schülerbeförderung, gemeinsames Mittagessen, Lernförderung, Vereinssport, Musikunterricht oder Ferienfreizeiten. News4teachers / mit Material der dpa
Schulbarometer: Kinderarmut nimmt auch aus Sicht der Lehrkräfte immer stärker zu

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Mordversuch: Vier Brüder nach Messerangriff auf VHS-Dozenten zu (milden?) Haftstrafen verurteilt

ITZEHOE. Vier Brüder sollen einen Lehrer auf einem Parkplatz in Wedel angegriffen und mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben. Nach 45 Verhandlungstagen hat das Gericht nun ein Urteil gesprochen.
Das Gericht hat entschieden. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock / travelview
Im Prozess um eine Messerattacke auf einen Volkshochschullehrer in Wedel sind vier Brüder zu Haftstrafen zwischen vier und siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Itzehoe wertete die Tat als gemeinschaftlich versuchten Mord, außerdem wurden die jungen Männer wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Brüder den Lehrer vor gut zwei Jahren auf einem Parkplatz der VHS Wedel angriffen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft taten die Brüder das, weil der Lehrer eine außereheliche Beziehung mit ihrer Mutter geführt haben soll. Die jungen Männer sollen von hinten mit einem Messer auf ihr Opfer eingestochen haben. Der Dozent wurde dadurch lebensgefährlich verletzt, überlebte aber. Die vier syrischen Brüder sollen bei der Tat 17, 19 und zwei von ihnen 21 Jahre alt gewesen sein.
Das Gericht verurteilte die beiden zur Tatzeit erwachsenen Angeklagten jeweils zu Freiheitsstrafen von siebeneinhalb Jahren, den Heranwachsenden zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und den Jugendlichen zu einer Jugendstrafe von vier Jahren. Die Kammer habe das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt angesehen, sagte eine Sprecherin des Landgerichts Itzehoe. Das Gericht folgte mit seinem Urteil weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft.
Der Lehrer überlebte den Angriff, unterrichtet inzwischen aber nicht mehr an der VHS. In dem Prozess trat der Mann als Nebenkläger auf. Die Höchststrafe für versuchten Mord liegt bei 15 Jahren. News4teachers / mit Material der dpa
VHS-Dozent mutmaßlich von zwei jungen Männern syrischer Herkunft (seinen Schülern?) niedergestochen – Lebensgefahr

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„Menschenverachtendes Gedankengut“: Aigner warnt vor der AfD (und vor „unsozialen Medien“)
MÜNCHEN. Als mögliche Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) seit Monaten gehandelt. Entsprechend aufmerksam wird verfolgt, wenn sie sich zu Grundfragen von Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt äußert. Bei einem Festakt an der Ludwig-Maximilians-Universität München warnte Aigner vor wachsendem Extremismus, Verschwörungserzählungen und der zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft. Einen Geschichtslehrer nahm sie dabei besonders in den Fokus.
Ilse Aigner. Foto: Christian Brecheis / Bayerischer Landtag
Angesichts vieler Krisen und weit verbreiteter Ängste hat Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner vor zunehmendem Extremismus und immer neuen Gräben in der Gesellschaft gewarnt – und zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. Sie rief insbesondere dazu auf, nicht auf Parolen politischer Extremisten hereinzufallen oder auf Verschwörungstheorien in sozialen Medien, die dabei als Brandbeschleuniger fungierten. Stattdessen müsse man das Land wehrhaft machen gegen Angriffe von innen und außen, sagte sie bei einer Rede an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität laut vorab verbreitetem Redemanuskript.
«Ich frage mich oft, was treibt die Menschen in die Arme politischer Extremisten», sagte Aigner. Dafür gebe es diverse Gründe, Enttäuschung sei einer davon. «Aber: Wenn man von der Feuerwehr enttäuscht ist, dann ruft man doch nicht nach jemand, der auch noch Öl ins Feuer gießt», warnte sie.
«Freiheit ist von Ängsten bedroht»
«Unsere Freiheit ist von Ängsten bedroht», konstatierte Aigner. Als Auslöser nannte sie Finanz- und Wirtschaftskrise, illegale Migration, Corona-Pandemie, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, den Krieg in Nahost. Und auch das Reden über Reformen mache vielen Menschen Angst, räumte sie ein. Kaum Verschnaufpausen, immer neue Zumutungen, nun im vierten Jahr ohne wirtschaftliches Wachstum. «Ja, das kann einem Angst machen.»
Auf der anderen Seite werde von radikalen Kräften gezielt Angst gemacht. «Feinde der Demokratie wollen unser Land destabilisieren.» Ja, es gebe reale Probleme bei innerer Sicherheit und Kriminalität. «Aber wenn reale Probleme missbraucht werden, um Menschen mit Migrationshintergrund pauschal zu diffamieren und dann „millionenfache Remigration“ einzufordern, können wir das nicht einfach so stehenlassen. Wir erkennen eindeutig völkisches, ja menschenverachtendes Gedankengut», kritisierte die CSU-Politikerin.
Dabei verwies Aigner auf die AfD. «Da ist eine in Teilen rechtsextreme Kraft, die absolvierte ihren Bundesparteitag am vergangenen Wochenende – genau am 100. Jahrestag des ersten NSDAP-Parteitages 1926. Auch in Thüringen.» Und an der Spitze dort stehe ein Geschichtslehrer, sagte sie mit Blick auf den Thüringer Landeschef Björn Höcke. «Bitte – das ist doch kein Zufall.»
Aigner: Soziale Medien sind Brandbeschleuniger
Zudem beklagte Aigner, bei alledem habe man Social Media als Brandbeschleuniger. «Früher hat es auch immer einen gegeben, der etwas seltsam war und komisches Zeug geredet hat – im Wirtshaus, am Arbeitsplatz, im Verein. Aber die Leute drumherum haben ihm zu verstehen gegeben: So nicht», sagte sie. «Heute posten Wirrköpfe weltweit Verschwörungstheorien. Je verrückter, desto wirkungsvoller.» Und die Algorithmen belohnten Radikalität.
«Das sind keine sozialen Medien. Das sind unsoziale Medien, sie haben etwas Zerstörerisches», sagte Aigner und warnte: «So funktioniert die Destabilisierung einer freien Gesellschaft – unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit.»
Aigner: Land wehrhaft machen
Aigner forderte, man müsse das Land wehrhaft machen gegen Angriffe von innen und außen. Man müsse Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückgewinnen. «Nicht zu sehr an die Schlagzeile von morgen denken, an Meinungsumfragen und an die nächsten Wahlen.» Und man müsse die Weichen auf wirtschaftlichen Erfolg stellen, mahnte sie – dafür sei das Reformpaket der Koalition ein Anfang.
Die Rede war zentraler Programmpunkt eines Festakts, bei dem der Großen Aula der Universität die Auszeichnung «Ort der Demokratie in Bayern» verliehen wurde. News4teachers / mit Material der dpa
Schon mehr als 135.000 Menschen stellen sich hinter einen Lehrer, der für die Demokratie einsteht – gegen die AfD (und dafür abgemahnt wurde)

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AfD: „Lehrkräfte, die aufklären, werden diffamiert, an den Pranger gestellt, eingeschüchtert“
STENDAL. Eine Abmahnung für einen Lehrer, der seinen Schülerinnen und Schülern erklärte, warum er nicht AfD wählt? Für Laura Nickel und Max Teske ist der Fall des Stendaler Lehrers Max Heckel kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer Entwicklung, vor der sie seit Jahren warnen. In einem Gastbeitrag für ntv (Titel: „Lasst uns Lehrkräfte nicht allein mit der Angst“) schildern die beiden Pädagogen, die 2023 mit einem Brandbrief über rechtsextreme Vorfälle an ihrer Schule bundesweit bekannt wurden, wie der Druck auf Lehrkräfte wächst, die sich mit Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit auseinandersetzen. Sie fordern mehr Rückhalt für Lehrerinnen und Lehrer – und warnen vor den Folgen, wenn diese aus Angst verstummen.
„Unsere Regeln.“ Foto: Shutterstock
Auslöser des Gastbeitrags ist die Abmahnung des Lehrers Max Heckel aus Stendal. Medienberichten zufolge hatte sich die Mutter eines Schülers an die AfD gewandt, nachdem Heckel im Unterricht erklärt hatte, dass er die Partei nicht gewählt habe und auch nicht wählen würde. Wie Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel (CDU) bestätigte, erhielt der Lehrer dershalb eine Abmahnung. Gegen Heckel war zuvor eine Dienstaufsichtsbeschwerde wegen einer angeblichen Verletzung des sogenannten Neutralitätsgebots eingereicht worden – die Schulaufsicht beugte sich dem Druck (auch wenn Riedel stets beteuert, wie wichtig es ist, dass Lehrkräfte demokratische Haltung zeigen).
Für Nickel und Teske bestätigt dieser Vorgang ihre eigenen Erfahrungen. „Wir wissen, was es mit sich bringt, in einer Region, in der die AfD um die 40 Prozent Zustimmung erfährt, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und Realitäten zu benennen“, schreiben sie. „Wir haben die Folgen am eigenen Leib zu spüren bekommen, als wir im Frühjahr 2023 rechtsextreme Umtriebe an unserer damaligen Schule im brandenburgischen Burg öffentlich gemacht haben. Wir haben erlebt, wie Teile der Gesellschaft reagieren: der eine Teil aggressiv und aufpeitschend, der andere – darunter Eltern – passiv und duldend.“
Die beiden Lehrer hatten im April 2023 mit einem Brandbrief über rechtsextreme Vorfälle an der Grund- und Oberschule Mina Witkojc im Spreewald-Ort Burg bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Sie berichteten damals von Hakenkreuzen, rassistischen Parolen und Einschüchterungen sowie von ihrer Wahrnehmung, dass die Probleme an ihrer Schule nicht ausreichend ernst genommen würden. Es folgte eine breite Debatte über Rechtsextremismus an Schulen.
Drei Jahre später haben Nickel und Teske ihre Erfahrungen in dem Buch „Rechtsruck im Klassenzimmer. Wie neurechte Ideologien die Schulen durchsetzen und unsere Kinder bedrohen“ verarbeitet. Darin beschreiben sie nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern auch zahlreiche Beispiele aus anderen Bundesländern und fragen, ob Schulen, Behörden und Politik der zunehmenden Verbreitung rechtsextremer Ideologien ausreichend entgegentreten.
Die persönlichen Folgen ihres damaligen Hilferufs waren erheblich. Nach ihrem öffentlichen Auftreten wurden beide Lehrer massiv bedroht. Laura Nickel berichtete, der Staatsschutz habe ihr geraten: „Wenn Sie von der Schule nach Hause fahren, schauen Sie in den Rückspiegel, ob Sie verfolgt werden, und parken Sie nicht direkt vor der eigenen Haustür.“ Max Teske schilderte einen Vorfall, bei dem er gemeinsam mit seiner vierjährigen Tochter beim Bäcker als „linke Zecke“ beschimpft worden sei. Beide verließen schließlich ihre Schule, blieben jedoch bewusst in Brandenburg und arbeiten heute an anderen Schulen.
Vor diesem Hintergrund bewerten die Autoren nun auch die Entwicklung an anderen Schulen. „Inzwischen ist klar: Wir sind nicht die einzigen Lehrkräfte mit solchen Erfahrungen. Aus vielen Schulen wird Ähnliches berichtet, nicht nur im Osten. Der Rechtsruck ist längst in den Klassenzimmern angekommen – überall in Deutschland.“
Nach ihrer Einschätzung geraten insbesondere Lehrkräfte unter Druck, die ihren Bildungsauftrag wahrnehmen und demokratische Werte vermitteln. „Lehrerinnen und Lehrer, die aufklären und dagegenhalten, werden diffamiert, an den Pranger gestellt, eingeschüchtert und sehen sich Versuchen ausgesetzt, sie mundtot zu machen. Dabei kommen sie ,nur‘ ihrem Bildungsauftrag nach. Sie stehen in der Pflicht, die Werte der Demokratie der jungen Generation zu vermitteln. Doch immer häufiger werden sie daran gehindert.“
Besonders entschieden wenden sich Nickel und Teske gegen den Vorwurf, Lehrkräfte verletzten mit einer solchen Haltung das sogenannte Neutralitätsgebot. „Entgegen aller Unterstellungen und Vorwürfe verfolgen wir Lehrkräfte keine politische Agenda, sondern befähigen unsere Schülerinnen und Schüler zu kritischem Denken. Dass uns dabei neuerdings ständig ein Verstoß gegen das ,Neutralitätsgebot‘ vorgeworfen wird, ist eine Farce. Wir sind Demokraten und haben einen Eid auf die Verfassung geschworen. Dass wir gegen menschenfeindliche Meinungen einstehen, ist keine Option, es ist unsere Pflicht.“
„Ein ,Neutralitätsgebot‘ besteht dementsprechend nicht, jedoch ist dieser Begriff in der Debatte präsent und es gibt unter Lehrkräften teilweise Verunsicherung, wie klar sie Stellung beziehen dürfen“
Die Argumentation von Nickel und Teske trifft auf eine Debatte, die derzeit viele Schulen beschäftigt. Erst in der vergangenen Woche berichtete News4teachers über das neue Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung, das erstmals die Verunsicherung von Lehrkräften beim Umgang mit politischen Themen untersucht. Danach fühlen sich 18 Prozent der Lehrkräfte durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot in ihrem pädagogischen Handeln eingeschränkt, in Ostdeutschland sogar 27 Prozent.
Die Autorinnen und Autoren der Studie weisen allerdings ausdrücklich darauf hin, dass es ein allgemeines Neutralitätsgebot für Lehrkräfte gar nicht gibt. Zwar seien insbesondere verbeamtete Lehrkräfte zu parteipolitischer Zurückhaltung und sachlicher Amtsführung verpflichtet. Zugleich gehörten der Einsatz für die Menschenwürde und die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu ihren dienstlichen Pflichten. Wörtlich heißt es: „Ein ,Neutralitätsgebot‘ besteht dementsprechend nicht, jedoch ist dieser Begriff in der Debatte präsent und es gibt unter Lehrkräften teilweise Verunsicherung, wie klar sie Stellung beziehen dürfen.“
Weiter stellen die Autoren fest: „Diese Verunsicherung wird mithilfe von Dienstaufsichtsbeschwerden, Kleinen Anfragen und Forderungen nach ,Neutralität‘ von Akteur:innen der extremen Rechten verstärkt.“ Deshalb sei es „umso wichtiger, dass Lehrkräfte sicher und souverän agieren können, wenn jemand von ihnen ,Neutralität‘ gegenüber Demokratiegegner:innen, Menschen- und Verfassungsfeindlichkeit fordert.“
Die Einschätzung der Studienautoren deckt sich damit in wesentlichen Punkten mit den Erfahrungen von Nickel und Teske. Auch sie sehen in Dienstaufsichtsbeschwerden und Einschüchterungsversuchen ein wachsendes Problem für Lehrkräfte, die ihren Bildungsauftrag wahrnehmen und sich gegen demokratiefeindliche Positionen stellen.
„Hinter den Vorwürfen, Bedrohungen und Einschüchterungen, besonders seitens der AfD, steckt Kalkül. Nicht demokratiefeindliche Tendenzen sollen kritisiert werden, sondern diejenigen, die auf sie aufmerksam machen“, schreiben Nickel und Teske. Sie warnen davor, dass Lehrkräfte sich aus Angst zunehmend zurückziehen könnten. „Wir dürfen uns an diesen Zustand nicht gewöhnen. Denn wenn Lehrerinnen und Lehrer anfangen, aus Angst vor Beschwerden, öffentlichen Anfeindungen oder persönlichen Angriffen zu schweigen, verliert unsere Demokratie einen ihrer wichtigsten Schutzräume: Schule darf kein Ort werden, an dem man bestimmte Themen meidet, um Ärger aus dem Weg zu gehen. Demokratie lebt davon, dass man über sie spricht, sie erklärt und nicht zuletzt auch verteidigt.“
Mit Blick auf ihr im März erschienenes Buch (News4teachers berichtete) sehen sich die beiden Lehrer inzwischen bestätigt. „Mit unserem Buch ,Rechtsruck im Klassenzimmer‘ wollten wir genau auf diese Entwicklung aufmerksam machen. Schon zeigt sich, dass unsere schlimmsten Befürchtungen Realität werden oder schon geworden sind. Der Fall Max Heckel zeigt, dass aus einzelnen Vorfällen ein Muster geworden ist.“
Nickel und Teske hatten darauf hingewiesen, dass rechtsextreme Einstellungen häufig aus dem Elternhaus oder über soziale Medien in Schulen getragen würden und dass der Umgang von Schulleitungen und Kollegien entscheidend dafür sei, ob demokratiefeindliche Vorfälle konsequent aufgearbeitet würden. Sie werben deshalb für eine stärkere politische Bildung, eine bessere Vernetzung engagierter Lehrkräfte und mehr Unterstützung durch Schulaufsicht und Politik. Gemeinsam mit weiteren Engagierten gründeten sie inzwischen das Bündnis „Schule für mehr Demokratie“.
Nickel und Teske appellieren eindringlich: „Es muss der Gesellschaft klar werden, dass am Ende die Schülerinnen und Schüler die Verlierer sind, wenn Lehrerinnen und Lehrer sich nicht mehr frei äußern dürfen oder wollen. Die Vermittlung demokratischer Werte darf nicht auf den Schultern einzelner Lehrkräfte liegen, sondern Demokratie muss durch Schule gelebt werden, mit jedem Atemzug.“
Zum Schluss ihres Gastbeitrags schreiben sie: „Wer sich für Demokratie, Menschenwürde und ein respektvolles Miteinander einsetzt, darf nicht allein gelassen werden. Denn Verstummen aus Angst ist der Beginn eines Verlustes, den sich eine freie Gesellschaft nicht leisten kann.“ News4teachers
Wie umgehen mit extremen Positionen im Unterricht? Viele Lehrkräfte sind verunsichert – aus gutem Grund (wie ein aktueller Fall zeigt)

Der Beitrag AfD: „Lehrkräfte, die aufklären, werden diffamiert, an den Pranger gestellt, eingeschüchtert“ erschien zuerst auf News4teachers.



https://www.news4teachers.de/2026/06/afd-lehrkraefte-die-dagegenhalten-werden-diffamiert-an-den-pranger-gestellt-eingeschuechtert/

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