26/09/2024
Kommunikationsübung für vertraute Beziehungen und als Lernprozess im Konfliktmanagement bei Kindern
Probleme in der Partnerschaft oder der Familie?
Die Kommunikation hakt?
(vermeidliche) Kritik kann nicht angenommen werden?
Ihr wisst nicht, wie ihr entwas ansprechen sollt oder euer Gesprächspartner ist ein ungeduldiger, empfindlicher, unruhiger oder auch sensibler Zuhörer und ihr habt Angst, vor dem Gespräch?
Hier eine tolle Übung für die Kommunikation innerhalb einer sehr vertrauten Beziehung (Eltern-Kind, Partnerschaft, tiefe Freundschaften, Kinder untereinander):
Ihr setzt euch Rückan an Rücken, wer möchte (das empfehle ich bei sehr intensiven oder sensiblen Themen) darf die Hände des anderen halten.
Ihr schließt die Augen und stimmt euch aufeinander ein. Lauscht kurz dem Atmen des anderen, sammelt Mut, dann beginnt einer von beiden mit dem Gespräch, der andere darf nur zuhören. Es sollte derjenige beginnen, der um das Gespräch bittet.
Nun darf gesprochen werden - und genau das macht die Übung so schön: ohne visuelle, akustische oder kinästhetische „Störungen“, welche automatisch entstehen würden, würde man sich anschauen.
So realisieren wir die Mimik des anderen nicht, wenn wir etwas unangenehmes sagen, es wird kein Widerspruch laut, möglicherweise würde sich unser Gesprächsaprtner normalerweise viel bewegen und uns verunsichern. All diese Faktoren fallen weg, im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das „Problem“, dass Thema, und es wird nicht das Gefühl der Schuld freigesetzt.
Es gibt keine Redezeit, der Sprecher darf sich völlig die Seele frei reden. Oftmals ist es so, dass der Zuhörer anfangs Einspruch einlegen will und das Bedürfnis hat, sich zu verteidigen. Wenn dieser Drang unterdrückt wird, so dass der Sprecher frei weiter ausführen kann wie seine Gedanken und Gefühle sind, wird oft klar, dass es kein Angriff ist und auch der Sprecher selbst sich nicht wohl mit allem fühlt.
So entsteht schon die Gemeinsamkeit: ihr fühlt euch nicht wohl, habt aber das Vertrauen, die Stärke und Wärme des anderen.
Um dies zu ändern, darf nun - wenn der Sprecher fertig ist - auch der Zuhörer reagieren und antworten. Höflich, ohne Beleidigungen.
Das Ursprungsproblem, welches zu Beginn nur einer hatte und was die Beziehung zueinander belastete, wurde zu einem kleineren gemeinsamen Problem: die Sorge ist geteilt, sie liegt frei auf dem Tisch und kann nur durch beide beseitigt werden.
Bei Kindern ist es oft so, dass sie sich der Wahrnehmung des anderen gar nicht so bewusst sind. Der Gekränkte jedoch projiziert Absicht und Böswilligkeit in das Verhalten hinein. Trotz, Wut, Entfremdung, Flucht, Aggression sind hier die Konfliktlösungsstrategien.
In gesunden Beziehungen gibt es zwei Ausgänge der Übung:
1. Es gab vorher Missverständnisse, welche nun beseitigt werden konnten oder
2. Es wurde ein Problem benannt, welches vorher dem Zuhörer nicht klar war und den Sprecher stark belastet hat (das kann von einem Verhalten über Geldsorgen bis hin zu Kindererziehung sein). Gemeinsam kann nun nach einer Lösung oder einem Kompromiss gesucht werden.
Wenn beide Parteien gesprochen haben, dürfen sich die beiden umdrehen und anschauen. In den allermeisten Fällen kommt dann - durch die Reizüberflutung der Wahrnehmungskanäle - ein Emotionsschub.
Raus lassen, einfach rauslassen. Bei Kindern sollte ein Erwachsener (Erzieher, Mama, Papa…) den gesamten Prozess begleiten und hier nun auffangen.
Wenn die Probleme, Streitigkeiten offengelegt werden fällt oft eine große Last ab - widersprüchlicher Weise passiert dies dann meist mit Tränen.
Nun dürfen sich die Kommunikationspartner umarmen oder die Hand reichen und schließen mit dem Lösen der Umarmung / des Handschlags die Übung ab.
Bitte belasst es in dabei - gebt euch Zeit zum Verarbeiten. Das Thema ist angesprochen und kein Geheimnis mehr. Weitere Gespräche sind nun deutlich einfacher zu beginnen.
Ich hoffe, diese Übung hilft euch 😊
Liebe Grüße
Elisa