19/07/2026
Mythologie der Türkvölker/Mongolen
Schamanenwerdung
Nach einer Sage hatte Erlik Khan die ersten Schamanentrommel gebaut und das erste Schamanenritual vollzogen. Das, was die Schamanen von anderen Menschen unterscheidet, ist, dass sie über die Seele eines verstorbenen anderen Schamanen verfügen. Diese (utha- / Körmös-)Seele begleitet den Schamanen und hilft ihm. In der Regel taucht die Seele eines alten Schamanen eines Tages plötzlich auf versetzt den Auserwählten in einen Zustand der Bewusstlosigkeit (Mediziner sprechen hierbei von einer Katalepsie, was manchmal sogar mehrere Tage andauerte). In diesem Zustand hat der Auserwählte eine Vision. In dieser Vision muss er sich entscheiden, ob er wirklich ein Schamane werden möchte. Die folgenden beiden Erzählungen sind die meist verbreiteten über diese Vision:
Der Auserwählte begegnet dem Totem-Tier des Stammes. Dieses Tier hat meist ein Zeichen auf seiner Stirn. Es führt ihn zu dem Baum, von dessen Rinde er den Rahmen seiner Trommels fertigen muss. Wenn er aus der Bewusstlosigkeit erwacht, geht der Auserwählte in den Wald, findet das Tier und den Baum aus seiner Vision und fertigt seine Trommel aus dem Fell des Tieres und der Rinde des Baumes.
Die Seele des Hilfsschamanen führt den Auserwählten in das Himmelsreich und zerlegt seinen Körper in Einzelteile. Diese Teile müssen wieder zusammengeflickt werden, damit er mit neuen Schamanen-Kräften auf die Erde zurückkehren kann. Wenn er sich weigert, ein Schamane zu werden, stirbt er in seiner Katalepsie und wacht nie wieder auf.
Ein anderer Schamane, der gerufen wird, um dem „Kranken“ zu helfen, erkennt sofort, dass dieser nicht wirklich krank ist, sondern zur Schamanenwerdung berufen wurde.
Aufgaben des Schamanen
1. Krankheiten heilen: Die Launen der Geister und der Seelen sind die Ursachen für Krankheiten.
Mit Geistern in Kontakt zu treten, um sie um Schutz und Glück zu bitten.
2. Regen-Ritual und Blitz-Ritual: Er muss die Energie der eingeschlagenen Blitze wieder in den Himmel schicken, um das Gleichgewicht in der Natur zu wahren, und in Trockenzeiten um Regen beten/bzw. zaubern.
3. Oba-Ritual: Kann mehrere Tage dauern und ist für das Wohl des ganzen Stammes von Bedeutung.
4. Wahrsagen: Er lädt einen Geist dazu ein, in seinen Körper zu dringen. Der Geist spricht dann aus dem Körper des Schamanen.
Der Schamane tanzt und singt während seiner Arbeit und spielt dabei auf seiner Trommel, und er gibt sich damit selbst den Rhythmus für seine Bewegungen. Seine Kutte und seine Onguns (Totems) beherbergen die Geister, die ihm bei seiner Arbeit helfen. Der Schamane hat auch oft einen kleinen runden Spiegel auf seiner Brust, der die Angriffe böser Geister abwehren soll, oder um sie zu blenden. Außerdem soll der Spiegel Energie aus dem Universum für den Schamanen einfangen. Schamanen haben auch oft einen langen Stock dabei, der das Pferd (oder ein anderes Tier) symbolisiert, auf dessen Rücken er in andere Welten reist. Manchmal haben Schamanen auch einen Fächer, um damit Geister abzuwehren. In seltenen Fällen haben Schamanen neben der Trommel noch andere Musikinstrumente oder Masken.
„..Der Höhepunkt der Schamanentätigkeit ist der Schamanenkampf zwischen einem guten / weißen und einem bösen / schwarzen Taltos (Name der Schamanen bei den frühen Ungaren), die beide in der Gestalt eines Stieres erscheinen. Der weiße Taltos erbittet in einer Furcht vor dem Kampf menschliche Hilfe. Sie wird ihm gegeben und besteht im Durchschneiden der Sehnen des Gegners. Hier zeigt sich eine Ausprägung des dunklen Weltaspektes. Der gute Taltos kämpft entweder gegen eine Krankheit, um eine Abwehr einer Naturkatastrophe oder für günstiges Wetter.“..