„Üb mehr.“ Den Rat habe ich in meiner ganzen Ausbildung gehört. Wenn Du nervös bist, hast Du es noch nicht oft genug gespielt. Wenn Du zitterst, kennst Du die Stelle noch nicht gut genug.
Bei mir hat das nicht funktioniert. Ich konnte das Stück im Schlaf, war technisch komplett sicher, jede schwierige Stelle hundertmal geübt. Trotzdem stand ich hinter der Bühne mit dem Gefühl, ich überlebe das nicht.
Ich habe perfekt abgeliefert, Applaus, ein Lächeln, „das war aber schön“. Niemand hat gemerkt, dass ich fünf Minuten vorher überzeugt war, ich sterbe gleich.
Das sehe ich auch bei vielen Musikern in meinem Coaching. Eine Geigerin, die ihr Programm im Schlaf abrufen konnte und trotzdem mit schweißnassen Händen spielte. Ein Pianist, der mitten im Konzert das Gefühl hatte, sein Gedächtnis verlässt ihn jeden Moment. Keiner von beiden hatte zu wenig geübt.
Üben trainiert die Finger, den Ansatz, das motorische Gedächtnis. Ob Du Dich auf der Bühne sicher fühlst oder nicht, entscheidet etwas anderes, unabhängig davon, wie viele Stunden Du im Übezimmer verbracht hast.
Vorbereitung ist wichtig. Wer ein Stück nicht beherrscht, wird auf der Bühne Angst haben. Aber wer es beherrscht und trotzdem Angst hat, braucht keine weitere Wiederholung. Sondern etwas anderes.
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Regina Gleim - Coaching für Musiker
Bühnencoaching - Ich helfe Musikern in ein freies und müheloses Musizieren zu kommen.
07/06/2026
Eine Klientin verlor mitten im Solokonzert die Kontrolle über ihre Hände. Es begann mit leichtem Zittern, dann musste sie kurz aussetzen. Das Schlimmste war nicht das Zittern selbst. Es war der Gedanke danach: Jetzt haben alle gesehen, dass ich nicht gut genug bin.
Das ist Scham.
Und sie ist ein wesentlicher Teil von Auftrittsangst. Ich kenne dieses Gefühl aus meiner eigenen Zeit als Orchestermusikerin. Der Moment nach einem schlechten Dienst, wo man sich fragt: Was denken die jetzt über mich?
Viele Musiker denken, Auftrittsangst kommt von zu wenig Selbstvertrauen. Die Lösung: besser vorbereiten, positiver denken, mehr üben. Ich habe das selbst versucht. Es hat eine Zeit lang funktioniert — bis es das nicht mehr tat.
Die eigentliche Bedrohung ist oft nicht der Fehler. Es ist die Bedeutung, die der Fehler bekommt. Plötzlich steht nicht mehr nur ein verpatzter Einsatz im Raum. Sondern die Frage: Was sagt das über mich aus?
Deshalb greifen viele klassische Selbstwert-Ansätze zu kurz. Affirmationen, Stärken-Fokus, Mut zusprechen: das alles arbeitet auf einer Ebene, auf der das eigentliche Thema gar nicht sitzt. Solange tief innen die Überzeugung wirkt, dass der eigene Wert von Leistung abhängt, verändert sich wenig.
In meiner Arbeit interessiert mich deshalb nicht in erster Linie mehr Selbstvertrauen. Mich interessiert, warum der eigene Wert überhaupt so eng an Leistung gekoppelt ist.
Dieser Prozess bei mir selbst war kein Entschluss. Er hat gedauert, und er bringt eine Lebensqualität mit sich, die ich nicht mehr missen möchte. Heute kann ich nach einer schwierigen Probe nach Hause gehen und trotzdem wissen, wer ich bin.
Meine Klientin spielt heute wieder Konzerte. Nervosität taucht noch auf. Der Unterschied: Ein schwieriger Moment entscheidet nicht mehr darüber, wie sie sich selbst sieht. Wenn Du verstehen willst, wie diese Arbeit konkret aussieht, schau Dir meine kostenfreie Masterclass an: https://www.kuenstlercoaching.com/masterclass
Du kennst das Muster:
Die Finger werden feucht, das Herz klopft. Und Du versuchst, das wegzudrücken. Damit Du durchkommst und funktionieren kannst.
Oft ist es längst nicht mehr der Auftritt selbst, der Angst macht. Sondern die Vorstellung, dass die Symptome auftauchen.
Wenn Du gegen die Anspannung ankämpfst, registriert Dein Körper: Hier ist Gefahr, und schaltet noch einen Gang hoch. Der Kampf verstärkt die Symptome nur noch.
Was wirklich hilft, ist das Gegenteil davon: nicht mehr Kontrolle, sondern wieder zu spüren, dass Du Dich bewegen kannst. Dass Du Abstand herstellen kannst. Dass Du den Symptomen nicht ausgeliefert bist.
Das gibt dem Nervensystem Sicherheit.
Und von dort aus wird etwas anderes möglich: Nicht mehr vor dem wegzulaufen, was Du im Körper spürst, sondern ihm zu begegnen. Und genau dadurch verlieren die Symptome oft ihren Schrecken und wir verlieren die Angst vor der Angst.
Genau da fangen wir oft an, wenn ich mit Musiker:innen arbeite. Bevor irgendjemand „mutiger“ werden muss.
Für alle Musiker, die tiefer in dieses Thema eintauchen möchten, habe ich eine kostenfreie Masterclass dazu erstellt: https://www.kuenstlercoaching.com/masterclass
24/05/2026
Die Lehrerin, die nach Deinem Fehler wortlos den Raum verlässt. Der Professor, der Dich vor allen Kommilitonen entwertet. Der Dirigent, der stumm den Kopf schüttelt oder bloßstellt.
Vielleicht kennst Du genau diese Szenen oder ähnliche, die Dich bisher noch nicht loslassen.
Was wir in der Musikwelt oft als „normalen Druck“ oder „harte Schule“ verbuchen, ist für Dein Nervensystem oft etwas ganz anderes: ein Trauma. Eine massive Überforderung, die im Körper steckenbleibt.
Lange Zeit dachte ich selbst, ich hätte diese alten Geschichten aus dem Studium und den Jahren im Orchesterdienst längst abgehakt. Vom Kopf her zumindest.
Aber das Nervensystem hat keine innere Uhr.
Es weiß nicht, dass das zwanzig Jahre her ist. Es speichert den Kontext ab und schlägt im Probenraum oder auf der Bühne sofort wieder Alarm – mit engem Brustkorb, zittrigen Händen oder plötzlichen Blackouts.
Dies mit Disziplin wegtrainieren zu wollen, hilft nicht weiter.
Was in Deinem Gehirn passiert, wenn der Körper blockiert, und wie Du Dein Nervensystem regulierst, um wieder frei zu spielen, erfährst Du in meinem neuen Blogartikel. 👉 Link: https://www.kuenstlercoaching.com/post/lampenfieber-oder-trauma-warum-musiker-ihr-nervensystem-regulieren-m%C3%BCssen-um-frei-zu-spielen
Deine Auftrittsangst kommt nicht von der Bühne.
Sie kommt davon, dass Deine Bewältigungsstrategie ist, Dich selbst nicht mehr zu spüren.
Mir ging es selbst viele Jahre so. Ich konnte mich kaum spüren — war vom Körper komplett abgeschnitten.
Deshalb hilft es nicht, nur auf der Bühne anzusetzen. Die Ursache liegt tiefer im Bindungskontext, und genau daran arbeite ich mit Musikern. Damit sie sich in sich selbst und damit auf der Bühne wieder sicher fühlen.
10/05/2026
Ich darf keine Schwäche zeigen. Ich muss das können. Ich hab dafür studiert. Und wenn mich das so trifft — bin ich dann gut genug?
Viele Musiker tragen diese Sätze jahrelang mit sich.
Sie klingen nach innerer Stimme. Aber sie kommen von außen.
Aus einem System, das Funktionieren mit Professionalität verwechselt — und Sensibilität mit Schwäche.
Die wichtigere Frage ist nicht:
Warum halte ich das nicht aus?
Sondern:
Was muss ich mit mir machen, um es auszuhalten?
Dich kleiner machen. Deinen Ausdruck zurückhalten. Dich selbst ein Stück verlieren.
Dich selbst nicht zu verlieren, um irgendwo reinzupassen — das ist keine Schwäche.
Das ist vielleicht das Mutigste, was Du tun kannst.
Viele Musiker lernen früh, wie man funktioniert.
Leistung bringen und durchziehen.
Und oft merkt man erst viel später, wie viel man dabei von sich selbst abgeschnitten hat.
Bis dieser eine Moment kommt, wo Du spürst: So möchte ich nicht mehr weitermachen.
Vielleicht geht es dann gar nicht darum, noch belastbarer zu werden. Sondern darum, wieder mehr bei Dir selbst anzukommen.
03/05/2026
Viele Musiker kennen diesen Moment aus Proben, Konzerten:
Warum trifft mich das so?
Warum halte ich das nicht einfach aus wie die anderen?
Warum fühlt sich das hier so eng an?
Und dann kommt der Gedanke fast automatisch:
Mit mir stimmt etwas nicht. Vielleicht bin ich zu sensibel.
Nicht belastbar genug. Nicht gemacht für diesen Beruf.
Und gleichzeitig ist da dieser Druck: Ich muss das doch aushalten können.
Also geht es weiter: Zusammenreißen. Nicht zeigen, wie es innen
aussieht. Funktionieren.
Irgendwann fühlt es sich nicht mehr einfach nur „anstrengend“ an. Sondern eng. Nicht mehr lebendig. Sondern irgendwie wie weg von dir selbst.
Oft denken wir dann: Warum geht das allen anderen scheinbar leichter?
Du bist nicht die Einzige, der es so geht.
Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder Musiker, die genau das beschreiben.
Es wird nur kaum ausgesprochen. Und genau deshalb fühlt es sich so an, als läge es an dir.
Was viele nicht sehen:
Dass es oft nicht darum geht, stärker zu werden. Sondern anders mit dem umzugehen, was da im Körper passiert.
Nicht alles wegdrücken und einfach funktionieren. Sondern überhaupt erst wahrnehmen, was da eigentlich los ist.
Und das kann ganz unterschiedlich aussehen.
Manchmal geht es eher darum, sich selbst wieder ein bisschen mehr Raum zu geben, für das Eigene und den eigenen Ausdruck.
Ich kenne dieses Gefühl gut.
Und ich habe mit der Zeit gemerkt, dass es nicht nur diesen einen Weg gibt, damit umzugehen.
Mich würde interessieren: Kennst Du dieses Gefühl?
Fehler, Zittern, Blackout. Die Panik kurz vor dem Auftritt.
Das sind die Dinge, die wehtun – und deshalb die Dinge, an denen fast alle arbeiten. Atemübungen, um sich zu beruhigen. Mentaltraining, um den Kopf zu kontrollieren. Techniken, um die Symptome wegzubekommen.
Das ist nicht falsch. Regulation hilft, aber nur kurzfristig.
Aber Symptome weg zu trainieren ist nicht dasselbe wie die Ursache zu lösen. Und das ist der Unterschied, der alles verändert.
Was auf der Bühne sichtbar wird – das Zittern, der Blackout, die innere Leere – ist nicht das Problem. Es ist die Antwort deines Nervensystems auf etwas, das tiefer liegt.
Ein altes Muster, das sich reaktiviert. Eine Überzeugung, die dein System seit langer Zeit trägt.
Solange nicht dort angesetzt wird, bleibt der Kern unberührt.
Ich arbeite mit Musikern daran, genau diesen Kern zu finden – und zu verstehen, was das Nervensystem wirklich braucht, um auf der Bühne sicher zu sein. Nicht nur zu funktionieren, sondern frei und sicher zu musizieren.
21/04/2026
Was mir immer wieder auffällt: Musiker kommen zu mir und sagen – „Ich kann nicht abrufen, was ich kann." „Ich bin im Übetraum völlig frei – und auf der Bühne weg." „Ich leide unter den Symptomen, aber ich weiß nicht warum."
Und fast alle haben vorher alles versucht. Atemübungen. Mentales Training. Mehr auftreten. Es hat nicht gereicht.
Was mich daran wirklich beschäftigt: Die Arbeit setzt fast immer an der Leistung an. Dabei geht sie am eigentlichen Kern völlig vorbei.
Die Bühne ist kein Leistungsraum. Sie ist ein Beziehungsraum. Dein Nervensystem weiß das – seit sehr langer Zeit.
Was Du auf der Bühne erlebst, hängt davon ab, was Du früh in Beziehungen gelernt hast. Dass Du funktionieren musst, um sicher zu sein. Dass Nähe gefährlich ist. Dass Du unsichtbar bleibst, um nicht verletzt zu werden.
Das ist ein altes Muster – das einmal Sinn ergeben hat.
Solange nur am Symptom gearbeitet wird, bleibt der Kern unangetastet. Das ist der Grund, warum sich so wenig verändert.
Bühne ist Bindung. Wer wir dort ansetzen, verändert sich alles.
Du kennst das Gefühl: im Überaum frei, auf der Bühne weg. Du hast vieles versucht – und trotzdem bleibt es. In meiner kostenlosen Masterclass zeige ich Dir, was wirklich dahintersteckt – und warum die meisten Ansätze am eigentlichen Kern vorbeigehen. Trag Dich hier ein: https://www.kuenstlercoaching.com/masterclass
Das vollständige Gespräch „Der Preis des Funktionierens — was Leistungsdruck mit Musikern macht“ — findest du im Link in der Bio. Interview mit Freiraum Stefanie Hofmann
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