30/08/2026
Gestern wurden in Berlin 35.550 Kinder eingeschult.
Während wir Bilder von Schultüten sehen, lesen wir gleichzeitig, dass die Kita-Jahre besser genutzt werden müssten, damit Kinder „school ready“ an die Schulen „übergeben“ werden.
Wir finden: Dieser Blick greift zu kurz.
Kinder sind Akteur:innen ihrer eigenen Bildungsprozesse. Aktive, neugierige und kompetente Menschen, die sich ihre Welt aneignen. Bildung ist alltagsintegriert, kontextuell und sozial.
Das Deutsche Schulbarometer zeigt: 25% der Schüler:innen weisen psychische Auffälligkeiten auf bzw. liegen im Grenzbereich. 26% berichten von geringer Lebensqualität, 16% von geringem schulischem Wohlbefinden. Bei Kindern aus finanziell belasteten Familien sind die Werte noch schlechter.
Auch UNICEF zeigt: Deutschland liegt beim kindlichen Wohlbefinden nur auf Platz 25 von 37 Ländern. Und soziale Herkunft macht einen massiven Unterschied: Nur 46% der Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten Familien erreichen grundlegende Kompetenzen, gegenüber 90% aus privilegierten Familien.
Bildung ist somit nicht losgelöst von Lebensbedingungen zu betrachten. Armut, soziale Ungleichheit, Wohlbefinden und die Qualität von Beziehungen sind Teil der Bildungsrealität von Kindern.
Deshalb geht es für uns nicht darum, Kinder für den nächsten Bildungsabschnitt „fertig“ zu machen. Es geht darum, ihre Bildungswege zu verstehen und Bedingungen zu schaffen, in denen sie sich weiterentwickeln können.
Kitas begleiten diese Bildungsprozesse jeden Tag. Der Übergang in die Schule sollte daran anknüpfen: an das, was Kinder mitbringen, was sie interessiert, was sie können und was sie brauchen.
Der Perspektivwechsel ist entscheidend: Nicht das Kind muss „school ready“ werden. Wir Erwachsenen müssen Bildungsorte so gestalten, dass sie an die Lebens- und Bildungswelten von Kindern anschließen.
So wird aus einem Übergang kein „Übergeben“ von fertigen Kindern, sondern ein gemeinsamer Bildungsweg.