10/07/2026
Zwei Tage, die mich bewegt haben – im wahrsten Sinne des Wortes.
Am 26. und 27. Juni war ich an der Universität Freiburg, an der 11. Gesamtschweizerischen Tagung für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, unter dem Motto «DaF/DaZ bewegt. Wen? Wie? Wozu?» – mit Plenarvorträgen, Workshops, einer Podiumsdiskussion und viel Raum für Austausch.
Dr. Naomi Shafer nahm uns auf eine Zeitreise mit – von den ersten Deutschkursen im Venedig des 15. Jahrhunderts bis zur KI-gestützten Unterrichtspraxis von heute. DaF/DaZ hat eine lange Geschichte, und sie ist längst nicht zu Ende geschrieben.
Prof. Dr. Sara Hägi-Mead sprach über dialogisches Lernen – und hat mich als Kursleiterin direkt angesprochen. Unterricht ist kein Monolog. Lernen entsteht im Dialog. Klingt einfach. Ist es aber nicht.
In den Workshops gab es viel zu entdecken. Katja Felder stellte ihre Bachelorarbeit zur Ermittlung individueller Sprachbedürfnisse auf A1-Niveau vor. Yuliya Pyvovar, Olha Hamidova und Cristina Kaiser zeigten, wie sich mit KI-gestützten Tools massgeschneiderte Materialien für den berufsbezogenen Deutschunterricht erstellen lassen. Mit Yuliya habe ich danach noch länger weitergesprochen – ein Austausch, der mir noch lange nachgehen wird.
Prof. Dr. Thomas Studer schloss mit einem Vortrag über Translanguaging. Ich musste an meine eigenen Kursteilnehmenden denken: Sie sprechen Albanisch, Türkisch, Arabisch, Tamil, Dari, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und mehr. Ein sprachliches Repertoire, das eine Ressource ist, kein Hindernis.
Ein Satz von Boaventura de Sousa Santos ist mir seither geblieben:
«There is no global social justice without global cognitive justice.»
Am meisten mitgenommen habe ich aus einem stundenlangen Gespräch zu dritt, mit Irène Zingg und Agnieszka Podwórna MA – über unseren Alltag als DaZ- und HSK-Lehrpersonen. Solche Begegnungen abseits des Programms sind oft das Herzstück einer Tagung.
Ein herzliches Dankeschön auch an Frau Linda Dommarco: Sie hat mir bei offenen Fragen weitergeholfen und mir ermöglicht, während der Tagung einen Raum zu nutzen, um meine Online-Deutschkurse von Freiburg aus weiterzuführen.
Integration gelingt nicht durch Assimilation. Sie beginnt mit Anerkennung.
Ob als Kursleiterin für Deutsch und Albanisch bei der Klubschule Migros - Ecole-club Migros - Scuola Club Migros, als HSK-Lehrperson bei der Albanischen Schule in der Schweiz (LAPSH), als Schlüsselperson bei
Migram/ Berner Gesundheit - Santé bernoise oder als Vorsitzende des Frauenforums Albakult Bern: In all diesen Rollen geht es im Kern um dasselbe – Menschen begleiten, in der Schweiz anzukommen, ohne ihre Sprache, Identität und Wurzeln zurücklassen zu müssen.