25/09/2022
„Oft schaffe ich es sehr gut, den Tag mit meiner Tochter sehr achtsam zu verbringen. Am Morgen wenn wir aufwachen, sehe ich in ihre Augen und liebe sie einfach über alles. Jede einzelnen Entwicklungsschritte die sie geht, auch die, die mich manchmal viele Nerven kosten, kann ich sehr gut annehmen. Ich nehme sie als Kind wahr, als meine Tochter, als Wesen das begleitet werden darf. Ich sehe die Situationen aus einer großen Entfernung, erkenne das große Ganze. Ich schaffe es, Gegebenheiten im Alltag nicht allzu ernst zu nehmen. Ein Berg voller Wäsche oder vereinbarte Termine die abgesagt werden müssen, weil sich‘s doch nicht ausgeht. Das gelingt mir ein paar Tage sehr gut. Dann gewöhne ich mich daran und plötzlich entgleitet mir die Achtsamkeit. Ich rutsche ab in das To-DO Listen abarbeiten. Ich bin nicht mehr im Moment. In meinem Kopf bin ich schon wieder bei der nächsten Aufgabe die erlegt werden muss: die Wäsche waschen, das Mittagessen, der Schlaf, die Wäsche aufhängen … An solchen Tagen fehlt mir oft das Gefühl zu ihr. Die Liebe! Wenn mir dies bewusst wird, erschrecke ich mich selbst so sehr. Ich sehe meine Tochter nicht als mein Kind, sondern als Aufgabe des Kümmerns, als Abarbeiten von Essen, Windeln, Schlafen und Beschäftigung. Ich fühle eine große Distanz zwischen uns zwei. Schuldgefühle steigen hoch, weil ich die Verbindung zwischen uns hab abreißen lassen. Nur in dem Bemühen ihr einen sauberen, kindgerechten Alltag zu schaffen. Bestimmt braucht sie den, aber bestimmt braucht sie eine Mama mit einer Verbindung zu ihr viel mehr als Mittagessen um 12 Uhr. Es kostet mir jedes Mal einiges an bewusster Präsenz sie wieder durch ihre kleinen Kinderaugen anzusehen und ihre Seele zu spüren. Erst dann kann ich den Alltag mit ihr wieder ganz anders erleben, sie spüren, sie fühlen und voller Aufrichtigkeit lieben!“ ♥️♥️